Eure Meinung interessiert mich!

von Bernd

 

Immer wieder erreichen mich im Rahmen meiner Öffentlichkeitsarbeit für den DVA interessante Informationen aus verschiedensten Publikationen, seien dies die Zeitschriften der übergeordneten Verbände, diverse Newsletter oder Broschüren, die im Briefkasten liegen.

Oft wird - so ist das in modernen Zeiten üblich - nach einem schnellen Blick darauf alles gelöscht oder im Altpaper entsorgt. Aber manchmal bleiben meine Gedanken dann doch bei einem Thema hängen und spätestens bei der nächsten Radtour oder Joggingrunde gibt es Gelegenheit sich das alles nochmals in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen.

Mitunter drängt es mich dann dazu, meine Meinung den jeweiligen Autoren per Leserbrief oder Antwort-E-Mail kund zu tun. Und in selteneren Fällen halte ich das Thema für so nachdenkenswert, dass ich gerne auch andere zum Nachdenken inspirieren möchte und mich dann über Rückmeldungen freue.

Vielleicht kann diese Seite eine Plattform sein, dies zu realisieren.

Also lest gerne die folgenen Texte und:

Klickt hier und schreibt mir eure Meinung!

 

 


 

 

Sind Autofahrer Mörder?

 

Schon vor längerer Zeit habe ich voller Schrecken lesen müssen, dass weltweit jährlich über eine Million Menschen im Straßenverkehr sterben. Das sind nicht nur rasende Autofahrer, sondern auch Kinder, die einfach nur Opfer sind. In den letzten Monaten - spätestens seit den betrügerischen Machenschaften des VW-Konzerns kommen nun auch immer mehr Daten ans Licht, wie schädlich Autoabgase sind und es gehen auch hier schrecklich hohe Opferzahlen um.

Ich habe dann in einem kleinen Gedanken-Experiment überlegt, wie es wohl wäre, wenn in einer Welt ohne Autos plötzlich jemand mit dieser Erfindung käme und in einer öffentlchen Anhörung alle Vor- und Nachteile darlegen müsste. Die Vorteile hätten sich mit hoher individueller Mobilität und Statussymbolik schnell erschöpft, die Liste der Nachteile wäre wohl sicher etwas länger: Tote und Verletzte durch Unfälle, Tote und Kranke durch Lärm und Abgase, Versiegelung gigantischer Flächen, Strukturwandel zu Ungunsten armer und alter Menschen und sicher noch einiges mehr.

Na, wie würde wohl die Entscheidung ausfallen, wenn jemand für eine solche Maschine eine Betriebserlaubnis beantragen würde?

Nun hat Franz Alt auf seiner überaus lesenswerten Sonnenseite einen Kommentar dazu geschrieben, der mir aus der Seele spricht und den ich deshalb hier gerne zitieren möchte:

"Sind Autofahrer Mörder?

Nach 1945 haben Autofahrer weltweit mehr als 100 Millionen Menschen getötet. Das sind doppelt so viele wie im Zweiten Weltkrieg ermordet wurden. Sind Autofahrer Mörder? Ein Kommentar von Franz Alt

Die Geschäftsführerin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margret Chan, dazu: „Der Tribut, den tödliche Unfälle fordern, ist unakzeptabel hoch“.

In Deutschland gilt noch immer der Slogan des ADAC „Freie Fahrt für freie Bürger“. Tempolimits sind für viele Autofahrer noch immer ein Tabu. Der Preis dieser Freiheit sind etwa 700.00 Verkehrstote nach dem Zweiten Weltkrieg und mehr als 20 Millionen Verletzte allein hierzulande. Eine Dimension von „Freiheit“ ähnlich der „Freiheit“ des Waffenbesitzes in den USA. Dort werden pro Jahr etwa 30.000 Menschen erschossen. Diesen Vergleich stellte soeben die TAZ an.

Wegen eines der Verkehrstoten in Deutschland wurden soeben in Berlin in einem aufsehenerregenden Prozess zwei Männer zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt. Als Mörder. Sie waren bei einem illegalen Autorennen mit 160 Kilometern in der Stunde über den Kurfürstendamm in Berlin gerast und hatten dabei einen Unbeteiligten getötet.

Das Auto wurde höchstrichterlich als das benannt, was es war: Eine tödliche Waffe.

Bisher wurde das Auto als des „Deutschen liebstes Kind“ verniedlicht. Hinter dieser Propaganda-Floskel stand der ADAC und die geballte deutsche Automobil-Wirtschaft mit einer starken Lobby sowie ihre Helfer in Parlamenten und Regierungen. 700.000 Tote und über 20 Millionen Verletzte wurden dabei als Kollateralschäden in Kauf genommen. Dem Götzen Auto wurde ein hoher Blutzoll dargebracht – ähnlich wie früher Göttern Todesopfer dargebracht wurden.

Am 23. Mai 1949 wurde das Deutsche Grundgesetz verabschiedet und die Todesstrafe abgeschafft. Aber auf unseren Straßen haben wir sie seither in riesigem Umfang erst richtig eingeführt. Die Waffe des US-Bürgers ist des Deutschen Auto. Und beides wurde und wird als Voraussetzung von Freiheit verkauft.

Das Berliner Urteil wirft – so die TAZ - die Frage auf, ob die Freude am Autofahren wichtiger ist als die Freude am Leben? In den USA erwies sich bisher die Waffenlobby stärker als alle Vernunft. Ob nach diesem Urteil die deutsche Autoindustrie etwas demütiger und nachdenklicher argumentiert als bisher, wo der Slogan galt:“ Nur Fliegen ist schöner“?

Wer öffentliche Verkehrsmittel benutzt statt ein Auto, fährt um den Faktor 70 mal sicherer und belastet die Umwelt um etwa 80% weniger. Das Gemetzel auf unseren Straßen nennen wir Verkehr. In Wirklichkeit ist es ein Dritter Weltkrieg gegen uns selbst und gegen die Natur.

Ein positives Beispiel für eine alternative Entwicklung nennt der WHO-Bericht auch: Die Stadt Freiburg. Nach der Errichtung von zahlreichen „Tempo 30-Zonen“ konnte die Zahl der Verkehrstoten und Verletzten  stark reduziert werden. 24% aller Wege werden hier zu Fuß, 28% mit dem Fahrrad, 20% mit öffentlichen Verkehrsmitteln und nur noch 28% mit dem Auto zurückgelegt. Oder Amsterdam: Hier kommen auf 800.000 Fahrräder noch 263.000 Autos. Autofahren ist heilbar."

Quelle: www.sonnenseite.com - Franz Alt

 sonnenseite

 

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Gedanken zum Jahresende 2016

 

Gäbe es auf der Welt nur das Thema „DVA“, dann könnte ich jetzt einfach schreiben: „2016 war ein gutes Jahr.“

Aber die Welt dreht sich nicht wirklich um den DVA und dann müsste man – besonders auch nach der aktuellen Tragödie in Berlin – schreiben: „2016 war ein furchtbares Jahr.“

Während sich in Syrien und an anderen Kriegsschauplätzen dieser Welt nichts zum Besseren zu ändern scheint, entsteht in Europa (in der Türkei) gerade eine Diktatur und in den USA haben sich die verzweifelten Bürger bei der Wahl zwischen „Not und Elend“ für das Elend entschieden, das in Gestalt von Schmalzlocke Donald auch für den Rest der Welt zur schlimmen, ernst zu nehmenden Plage werden könnte.
In unserer zweiten Vereinsheimat, in Frankreich, könnte mit Madame Le Pen eine Nationalistin zur Präsidentin gewählt werden und bei uns in Deutschland hören auch immer mehr Verängstigte und Verzweifelte nur noch die Rufe der Populisten und ich fürchte dass Herr Höcke mit seiner Idee vom 30%-Potenzial der AFD nur ein klein wenig zu optimistisch ist.

Nach meiner Meinung ist diese unbegründete oder berechtigte Angst, diese teils sehr reale Not und diese ganze Unsicherheit – weltweit – eine Folge eines unmenschlichen Wirtschaftssystems, das zur Ersatzreligion geworden ist, dem Kapitalismus. Er treibt uns dazu die Umwelt auszubeuten bis an und möglicherweise über die Grenzen des Erträglichen. Vor Gott Mammon heit es auf die Knie zu gehen.

Da ist es nur wenig erbaulich, dass es sehr bedeutende Kapitalismuskritiker gibt, wie etwa Papst Franziskus, der sich nicht nur im Kleinwagen kutschieren lässt, in einer kleinen Wohnung lebt und mit den kleinen Leuten in der Mensa speist, sondern auch erkannt hat, warum die vielen Stellvertreterkriege geführt werden müssen – um dieses System im Endstadium am Leben zu erhalten. Und der dies dann sogar noch ausspricht. Aber dafür hat ihm dann ja das Haus Burda 2016 einen Bambi verliehen und ihn damit in eine Reihe mit Heroen wie Florian Silbereisen und Bastian Schweinsteiger gestellt. Ehre, wem Ehre gebührt.

Und gegen die wertarme, kapitalistische Lebensweise begehren dann Gläubige anderer Religionen auf und wollen ihre Machtansprüche durchsetzen, um die Deutungshoheit zurück zu gewinnen. So verstehe ich das Erstarken eines expansiven Islam, der die Welt zwangsbekehren möchte. Dass sich da Religion mit Politik vermischt und Untergruppen stärker bekämpft werden als die Un- oder Andersgläubigen, haben wir im ehemals extrem expansiven Christentum auch zur Genüge erlebt.

Ich persönlich versuche dennoch tolerant zu sein und bin für Religionsfreiheit – auch wenn ich Volker Pispers Meinung teile und mir wünsche, dass wir alle religionsfrei wären. Doch dies muss eine Utopie bleiben, wir Menschen schaffen es wohl nur durch Religionen – oder was wir dazu machen - überhaupt in Gruppengrößen von mehr als 150 Individuen zusammen zu leben, ohne uns die Köpfe einzuschlagen.

Wichtig wäre es, ein für alle akzeptables Wertesystem zu finden, das es uns erlaubt regional, national und global in Frieden zu leben. Kant hatte da einen interessanten Ansatz und die Aufklärung hat das böse Gesicht des mittelaterliches Christentums gewandelt.

Leider hat der Kapitalismus da nicht viel zu bieten, was ein friedliches Miteinander befördern könnte. Ich sehe nicht, wie das der freie Markt regeln könnte. Und die Annahme, es würde allen besser gehen, wenn wir nur die Marktkräfte sich frei entfalten ließen, werden nicht nur die Angehörigen der Opfer der zerstörten Textilfabrik in Bangladesh als völlige Fehleinschätzung bewerten. 

Friedliches Miteinander in kleinen, wie in großen Gruppen, braucht Kooperation und nicht Konkurrenzkampf. Und Zusammenarbeit braucht Vertrauen.

Aber mit der Angst wächst das Misstrauen. Nach dem Anschlag von Berlin waren sie dann aus bayerischen Unionskreisen und von der anderen AfD sofort wieder dabei Anschuldigungen zu äußern und damit Misstrauen zu säen. Dann sieht man in Reportagen, dass bei uns der Absatz von Schreckschusspistolen nahezu explosionsartig gestiegen ist. Wären andere Waffen erlaubt, würden wir uns wohl schnell auf den Weg zu amerikanischen Verhältnissen machen. Aber dort ist die häufigste Todesursache für junge Männer, gerade der Tod durch eine Kugel aus diesen Waffen.
Michael Moore hat es schon vor Jahren gezeigt, während auf der amerikanischen Seite der Grenze fast jeder bewaffnet ist, alle Häuser verrammelt sind und es dauernd Morde und Einbrüche gibt, ist auf der kanandischen Seite keine Tür abgeschlossen, fast niemand bewaffnet und der örtliche Polizeichef muss die Akten zu Rate ziehen, um sich überhaupt an das letzte Gewaltverbrechen zu erinnern.
In Indien gibt es einen Ort, in dem kein Haus überhaupt eine Tür hat, also nichts das man schließen oder gar abschließen könnte. Einbruchsquote: Null! Ist auch schwer, ein Schloss zu knacken, das es nicht gibt, könnte man jetzt witzeln, aber vielleicht ist es einfach gegenseitiges Vertrauen, das zu soviel Ehrlichkeit führt.

Vielleicht müssen wir alles mal von der anderen Seite denken, damit es Sinn gibt.

Wir müssen versuchen die verfahrene Situation mit Vertrauen zu retten. Und dieses Vertrauen muss immer als Vorschuss ausgezahlt werden – Ergebnis ungewiss, aber Hoffnung besteht.

Wenn wir dagegen weiter auf dem Weg des Misstrauens und der Angst gehen, gehen wir weiter auf dem Weg von Gewalt und Krieg – und welchen Preis man dafür zahlen muss, haben wir in Deutschland schon überaus reichlich erlebt.

Die einzig wahre Weihnachtsbotschaft muss heißen: Nehmen wir das Gebot der Nächstenliebe endlich ernst, denn Liebe basiert auf Vertauen. In diesem Sinn wünsche ich uns allen - weltweit - etwas mehr Licht und deutlich weniger Dunkel im Jahr 2017.

 

 


 

Thema Spitzensport

 

Ich habe mir erlaubt zum Artikel im Pfalzsport 03 2016 Seite 22 einen Leserbrief zu schreiben, der komplett im Pfalzsport 04 2016 auf Seite 26 abgedruckt wurde.
Vielleicht habt ihr Lust mir darüber eure Meinung mitzuteilen.
Ich würde mich über Rückmeldungen freuen.

Hier der Leserbrief:

 

Sehr geehrter Herr Schwarzweller,

vielen Dank für den Artikel über den Spitzensport im Land, den ich mit großem Interesse gelesen habe.
Sie bitten zum Ende darin, dass die Leser Ihnen schreiben sollen, was ich hiermit gerne tue.

Vorab: Ich bin ein überzeugter Breiten- und Gesundheitssportler, weil ich denke, dass man den Wert von Breiten- und Gesundheitssport gar nicht hoch genug einschätzen kann. Aktuell ist das "Geo kompakt" zum Thema Sport und Gesundheit auf dem Markt und bestätigt meine gewonnenen Erkenntnisse und Ansichten in für viele gut lesbarer populärwissenschaftlicher Form.

Was hat dies nun mit Spitzensport zu tun?

1. Spitzensport ist Hochleistungssport und hat leider keinen der gesundheitsfördernden Effekte des Breitensports. Hochleistungssport ist nahezu das Gegenteil von Gesundheitssport. Polemisch gesagt:
"Wir riskieren die Gesundheit junger Menschen, indem wir sie gleichsam als Galdiator(inn)en zum Lustgewinn für Fernsehzuschauer, Nationalstolze, Wettverrückte oder Verbandsfunktionäre zum Kampf antreten lassen".

2. In den Spitzensport fließen unglaubliche Summen an öffentlichen Geldern, teils durch direkte Zuschüsse und Spitzensportförderung, in viel höherem Maße aber über für keinen von uns (auch wenn er/sie Gegner des Spitzensports ist) vermeidbare Unkosten. Hier sind die Fernsehgebühren zu nennen, aber vor allem die Unsummen, die über Sponsoring bei jedem Kauf sehr, sehr vieler Artikel in den Spitzensport fließen.
Und über den Einsatz dieser Mittel hat die Öffentlichkeit keinerlei Kontrolle - die Ungerechtigkeiten sind leicht erkennbar: Spitzensportler, die in jüngsten Jahren schon Multimillionäre sind im Bereich Fußball und Spitzensportler, die sich die Fahrten/Flüge zu ihren
Wettkämpfen nicht leisten können (Beispiel einer mir bekannten Rudererin). Die hässliche Fratze des Kapitalismus zeigt sich nirgends deutlicher als im Sport-Sponsoring.

Dies alles sollte den Menschen bewusst gemacht und sehr kritisch hinterfragt werden.

Ich gebe gerne zu, dass Spitzensport auch eine Sogwirkung und damit eine positive Wirkung auf den Breitensport hat. Nennen wir als Beispiele einfach mal den Tennisboom zu Becker-Graf-Zeiten oder den Radboom zu Jan Ulrichs Vor-Doping-Zeiten. Aber es darf gefragt werden, ob das die hohen Kosten für die Gesellschaft und die als Invaliden endenden Spitzensportler (und das sind nach meinen Recherchen nicht wenige) rechtfertigt. Wären da öffentliche Mittel im Sinne eines Gesundheits- und Wohlfühlgewinns der gesamten Gesellschaft nicht viel besser und effektiver einzusetzen?

Sie machen zu recht kritisch auf die verschiedene Stellung in der Förderung von olympischen und nicht-olympischen Sportarten aufmerksam. Ist Ringen plötzlich weniger wert und damit weniger förderungswürdig, weil es nicht mehr olympisch ist oder ein Beispiel aus meiner Sportart: Wieso fließen Mittel in die Förderung von Kanurennfahrer(inne)n, wenn die auf flachem Wasser ihre Rennen bestreiten, aber nicht, wenn es sich um nicht-olympischen Wildwasserrennsport handelt?

Und abschließend ein Wort zum Thema Olympiagegner: Ich denke, dass es geradezu die Pflicht eines jeden Bürgers eines Landes oder einer Stadt ist durch ein "Nein" zu olympischen Spielen im eigenen Land/Stadt klar zu machen, dass es so nicht weitergehen darf. Spitzensport ist zur Spielfläche von Spekulanten, Zockern und korrupten Regierungen und Funktionären geworden, denen weder das Wohl der Bevölkerung noch das der Sportler irgendetwas bedeutet.

Vielleicht wäre hier ein grundsätzliches Umdenken von Nöten: Es ist jedem Sportler frei gestellt sich für den Spitzensport zu entscheiden und damit seine Gesundheit zu riskieren, öffentlich gefördert sollte aber der Sport werden, der als Gesundheits- und
Breitensport nachweisliche und maßgebliche Beträge zum Wohl Einzelner und der ganzen Bevölkerung beitragen kann.

Ich bitte Sie die Ausführlichkeit zu entschuldigen, aber ich habe mich schon kurz gefasst und fürchte, dass dennoch zu meinen wahrscheinlich sehr provokanten Ideen weitere Erläuterungen nötig wären.

Mit sportlichen Grüßen
Bernd Dörr

 


 

Thema: CO2-Ausstoß

 

Wie ihr alle auf der Seite Naturschutz lesen könnt, machen wir uns in der Vereinsarbeit so unsere Gedanken, wie wir die "Erlebnissport-bedingten-CO2-Emissionen" gering halten können, um dann am Jahresende so wenig wie möglich kompensieren zu müssen, denn natürlich sind nicht emittierte Schadstoffe viel besser, als kompensierte.

Wenn man dann den Bereich Fahrleistung der Vereinsbusse anschaut, kommt da leider eine erhebliche Menge an Emissionen zu stande. Natürlich war beim Kauf unseres Nissan auch das ein Argument, denn der Primastar ist laut Herstellerangaben in seiner Klasse einer der Kleinbusse mit dem geringsten Verbrauch und damit CO2-Ausstoß. Nur muss man jetzt leider lesen, dass diese Angaben gelinde ausgedrückt "nicht wirklich sehr zuverlässlich" sind oder deutlicher ausgedrückt: Die getricksten Angaben der Hersteller sind in einer Art falsch, dass dies bereits eventuell den Tatbestand des Betruges erfüllt. Die DUH (Deutsch Umwelthilfe e.V.) prüft, ob und wen konkret sie verklagen kann.

Um euch das anschaulich zu machen lege ich euch das Weißbuch vom November 2016 ans Herz:

FROM LABORATORY TO ROAD
A 2016 UPDATE OF OFFICIAL AND ‘REAL-WORLD’ FUEL CONSUMPTION AND CO2 VALUES FOR PASSENGER CARS IN EUROPE

von Uwe Tietge, Sonsoles Díaz, Peter Mock, John German, Anup Bandivadekar (ICCT), Norbert Ligterink (TNO)

Hier im Netz zu finden: ICCT_LaboratoryToRoad_2016.pdf

Damit ihr das nicht alle alles lesen müsst, möchte ich euch zumindest drei Grafiken daraus hier vorstellen und etwas kommentieren.

Die EU verlangt ja, dass der Flottenverbrauch gesenkt wird und wenn es auch die (vor allem deutsche) Automobillobby immer wieder schafft Vorgaben aufzuweichen und Fristen zu verschieben, so bleibt die Richtung aber klar: PKWs sollen weniger CO2 emittieren. Um dies zu erreichen, muss man sparsame Motoren bauen - dies gelingt seit Jahren sehr gut.
Allerdings sollte man dann schlauerweise diese sparsamen Motoren in Fahrzeuge einbauen, die ihren Zweck erfüllen, ein paar Personen (eventuell mit Tasche oder Koffer) von A nach B zu bringen. Dann wäre da auch schon viel erreicht worden.
Wenn man aber diese sparsamen Motoren zu einem immer höheren Leistungsvermögen aufblasen muss, um den Herren den Schwanzvergleich in immer leistungsstärkeren Fahrzeugen zu ermöglichen und die Damen im Familienpanzer die Kinder zur Schule und sich selbst Einkauf fahren lässt, wird es schwer den realen CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Die folgende Grafik zeigt, wie sich der CO2-Ausstoß in den letzten Jahren entwickelt hat:

 Grafik

Leider ging der Realausstoß nur sehr minimal zurück und ist im Grunde seit 2010 nahezu unverändert bei knapp 170 g/km. Zum Glück ist das bei den Daten der Hersteller nicht so, denn hier sehen wir eine kontinuierliche Reduktion der Emissionen von 170 zu 120 g/km von 2000 bis 2016. Toll! So hält die EU still.

Aber wie kommt die Industrie zu solchen Zahlen?

Dass es Unterschiede im Realverbrauch und den Herstellerangaben gibt, ist sicher nicht zu vermeiden und auch, dass der Realverbrauch immer etwas höher ist, als der Testverbrauch der Hersteller, sei vergeben und verziehen. So sind die Unterschiede bei den Daten von 2001 als "lässliche Sünden" wohlwollend vergeben, aber nicht vergessen.

Denn nur wenn man weiß, dass 2001 der Unterschied zwischen Herstellerangaben und realem Emissionen bei 8% lag, lässt sich die Dreistigkeit der aktuellen Manipulationen erkennen, bei denen die Abweichungen nun im Schnitt bei 40% liegen, worüber sich die ach so umweltfreundlichen Hybrid-Fahrzeug nochmals deutlich erheben, wie die folgende Grafik zeigt:

aa meinung verbrauch01

Und als ob das nicht genug wäre, gibt es - wie sollte es anders sein - bei den Herstellern besonders toller Produkte natürlich nochmals höhere Abweichungen. Aber wer seine Q-, M-, G- oder sonstwie genannten Panzer vermarkten und die EU besänftigen will, der muss halt noch mal etwas dreister sein.

Auch hierzu gibt es im Weißbuch eine tolle Grafik:

aa meinung verbrauch01

Man erkennt wunderbar, wie die Hersteller mit verbrauchsarmen Flotten, die auch noch das ein oder andere vernünftige Fahrzeug bauen, es einfach nicht nötig haben, in dem Maße zu bescheißen, wie die Panzer- und Rennwagen-Produzenten. Das heißt nicht, dass sie nicht schummeln, sie sind nur einfach nicht ganz so dreist, weil sie nicht so dreist sein müssen.

Und letztlich bei allem Ärger: Wären wir Verbraucher nicht die nützlichen Idioten, wäre es lange aus mit Mercedes, BWM, Audi und Co - jedenfalls, bei der aktuellen Produktpalette. Bei mir persönlich ist der geringe Verbrauch und damit niedrige CO2-Emissionen ein sehr wesentliches Kaufskriterium gewesen. Beim Kauf eines Diesel mit Euro-6-Norm hat man uns wohl aber mit gefälschten Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen abgelinkt ...

Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen deutschen Automobilproduzenten und der italienischen Mafia?

Oh, ich weiß: Die Mafia hat keine Rückendeckung von Herrn Dobrindt.

 

(Quellenangabe: alle Grafiken aus oben genannter Publikation)