Eure Meinung interessiert mich!
von Bernd
Immer wieder erreichen mich im Rahmen meiner Öffentlichkeitsarbeit für den DVA interessante Informationen aus verschiedensten Publikationen, seien dies die Zeitschriften der übergeordneten Verbände, diverse Newsletter oder Broschüren, die im Briefkasten liegen.
Oft wird - so ist das in modernen Zeiten üblich - nach einem schnellen Blick darauf alles gelöscht oder im Altpaper entsorgt. Aber manchmal bleiben meine Gedanken dann doch bei einem Thema hängen und spätestens bei der nächsten Radtour oder Joggingrunde gibt es Gelegenheit sich das alles nochmals in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen.
Mitunter drängt es mich dann dazu, meine Meinung den jeweiligen Autoren per Leserbrief oder Antwort-E-Mail kund zu tun. Und in selteneren Fällen halte ich das Thema für so nachdenkenswert, dass ich gerne auch andere zum Nachdenken inspirieren möchte und mich dann über Rückmeldungen freue.
Vielleicht kann diese Seite eine Plattform sein, dies zu realisieren.
Also lest gerne die folgenden Texte und:
Klickt hier und schreibt mir eure Meinung
Ein anderer Jahresrückblick 2020
Jubiläen, die das Jahr nicht prägten
Liebe Leser*innen,
das Jahr 2020 unterschied sich deutlich von anderen Jahren, denn es gab eine lange Reihe ganz besonderer Jahrestage und Jubiläen zu begehen mal als stilles Andenken, mal als großes Freudenfest. In der abgelenkten Öffentlichkeit wurden vieler dieser großen Erinnerungsmomente kaum oder gar nicht wahrgenommen. Ein Grund für mich, sie doch etwas in die Erinnerung zu rufen und euch meinen ganz eigenen, vielleicht etwas unorthodoxen Jahresrückblick zu geben, um euch damit möglicherweise ein paar Momente der Besinnung und hoffentlich an der ein oder anderen Stelle auch ein Grinsen abzutrotzen.
Beginn wir, wie üblich, mit dem Januar:
40: Am 13. Januar 1980 – hoffen wir das es kein Freitag war – konstituieren sich die Grünen als Bundespartei. Damals mit teilweise radikalen Forderungen und viel innerer Zerstrittenheit, heute brav und bieder – man will ja schließlich regierungsfähig sein. Da blieb viel auf der Strecke, nicht sehr schade um an Parteitagen gestrickte Wollpullis, eher schade um Konsequenz und Moral; oder wie es damals auf Ansteckern auf einigen dieser selbst geschaffenen Schurwollerzeugnisse zu lesen war: „Angepasst ist angepisst!“ - vielleicht doch schade um die Pullis.
75: Am 27. Januar 1945 wird das Konzentrationslager in Auschwitz befreit. Wie toll wäre es gewesen, wenn wir uns, durch richtige Entscheidungen 12 Jahre vorher, nicht eines solchen Tages erinnern und damit in einen der vielen Abgründen der deutschen Vergangenheit blicken müssten. Wäre vielleicht ganz gut, wenn wir uns heute bewusst machten, dass man Feuer löschen kann, solange sie noch klein sind.
Im Februar bewegen mich zwei Ereignisse:
30: Am 11. Februar 1990 wird Nelson Mandela aus der Haft entlassen. Für alle, die nichts über die Apartheidspolitik in Südafrika wissen: Er saß dort, weil er sich für die Rechte der Schwarzen einsetzte – #BlackLivesMatter von damals. Bewegend und nachdenkenswert: Viele lange Jahre von Weißen inhaftiert, setzt sich dieser Mann nach seiner Freilassung und später als Präsident Südafrikas für Versöhnung und ein friedliches Miteinander ein. Dafür erhält er sehr zu recht den Friedensnobelpreis. Schade nur, dass es sich im Kreise anderer Träger dieser Auszeichnung in höchst dubioser Gesellschaft befindet.
100: Wir kehren nach einem kurzen Höhenflug der Humanität wieder zu den dunklen Seiten des Menschseins zurück, denn am 24. Februar wurde die NSDAP gegründet. Meine 12 Jahre von oben greifen offensichtlich etwas kurz, aber wann wurde eigentlich die AFD gegründet?
Der Monat März hält folgendes bereit:
90: Am 12. März 1930 beginnt Mahatma Gandhi den Freiheitskampf für Indien. Mit Gewaltverzicht und passivem Widerstand zwingt der kleine Mann im selbst gewebten Umhang später das mächtige Empire in die Knie, in dem er der Welt zeigt, wo Grenzen von Moral und Ethik verlaufen und auf welcher Seite die Europäer von der Insel stehen. Was gewaltfreier Widerstand vermag, ist damit eindrücklich gezeigt worden. Nun könnte man sich ja mal überlegen, wie man Deutschland friedlich und gewaltfrei verteidigen kann. 2% unseres BIP zur Verteidigung in Friedensforschung und Gewaltprävention stecken, anderen Nationen helfen und sie dadurch zu Freunden machen, für weltweite Bildung und Frauenrechte sorgen - wäre ja auch eine Idee für das sogenannte Verteidigungsministerium. Ich finde im Neuen Testament keine Stelle mit der die Anschaffung von bewaffneten Drohnen zu rechtfertigen sei – nur mal so, weil ja Weihnachten ist und weil Frau Kramp-Karrenbauer in dieser C-Partei den Vorsitz führt.
20: Am 26. März 2000 wird Wladimir Putin wird zum Präsidenten Russlands gewählt. Das ist ein Mensch, der leider so gar nichts mit Pazifismus an Hut hat - schade. Aber was wäre aus dem deutsch-russischen Verhältnis geworden, wenn Deutschland nicht fest in der NATO verankert wäre? Während Russland nach 1990 alle Soldaten und Waffen aus Deutschland abgezogen hat, halten die USA in Deutschland Hunderte von Kampfflugzeugen und Panzern einsatzbereit und im Fliegerhorst Büchel bei uns in Rheinland-Pfalz lagern bis heute einsatzbereite Atombomben. Er hat es nicht leicht mit uns, der Herr Putin. Damit ist aber in keiner Weise entschuldigt, wie der russische Geheimdienst mit unliebsamen Menschen umgeht, aber ich denke mit Sorge daran, was hätte passieren können, wenn einer der ganz üblen Hardliner statt Putin an die Macht gekommen wäre.
Schauen wir lieber in den April:
Zwei Jubiläen folgen direkt auf einander, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten.
50: Am 10. April 1970 lösen sich die Beatles auf. Wäre interessant, was sie uns zusammen noch an Musik geschenkt hätten. Aber vielleicht war ihr gemeinsames Potenzial ja auch erschöpft. Tolle Songs haben sie uns genug geschenkt. Doch was den Text angeht, ist mein besonderer Song dann doch ein Werk aus einer nachfolgenden Solokarriere. Stellt euch vor, welches Lied ich meine.
75: Am 11. April 1945 wird ein weiteres Konzentrationslager befreit. Jetzt ist es das in Buchenwald. Es ist für uns, die wir so viele Jahre später geboren sind und in der friedlichsten Zeit leben, die jemals in Deutschland geherrscht hat, einfach nicht fassbar, zu welchen Grausamkeiten unsere Opas und Uropas in der Lage waren. Ehrlicherweise hilft bei mir da nur verdrängen, ich kann keines der Lager besuchen, will mir noch nicht mal Filme darüber anschauen. Das was ich weiß, reicht – bei weitem.
Im Mai jähren sich diese beiden Ereignisse:
75: Am 8. Mai 1945, einen Tag nach der Kapitulation Deutschlands ist der Zweite Weltkrieg und damit das wohl schlimmste Kapitel unserer Geschichte beendet. Welchen Weg hätten wir Deutschen gehen können: Eine Bundeswehr müsste es nicht geben. Stattdessen wird unsere Freiheit seit Jahren deutsche Soldaten am Hindukusch verteidigt, in trauter Eintracht mit amerikanischen Soldaten, die gerne auch mal ein paar Zivilisten erschießen, dann aber lieber den Journalisten verfolgen, der dies aufgedeckt hat (#FreeAssange), als die eigenen Soldaten einem Gericht vorzuführen oder mit australischen, wo es bei neuen Soldaten eine Mutprobe war, erst mal Menschen zu erschießen (leider sind das keine Verschwörungstheorien, sondern belegte und zumindest von australischer Seite eingestandene Gräueltaten). Ich werfe solche Taten der Bundeswehr nicht vor und hoffe, mir berechtigterweise sicher sein zu dürfen, dass sich deutsche Soldaten bei ihren Einsätzen anders verhalten, aber ich möchte in diesem Zusammenhang lieber an ein Ereignis vor 72 Jahren erinnern: Da hat der Staat Costa Rica beschlossen, dass er sein Militär abschafft. Seither wurde Costa Rica weder von Nachbarstaaten angegriffen, noch besetzt oder erobert. Dafür wurden viele Mittel für Bildung und Gesundheit frei. Auch mal ´ne Idee.
50: Am 14. Mai 1970 wurde Andreas Baader befreit. Dies kann als Geburtsstunde der RAF angesehen werden. Dazu nur kurz: Super Jungs! Nachhaltiger hätte man gute linke Ideen nicht diskreditieren und die Macht der Konservativen zementieren können. Ein weiterer Beleg, dass Pazifismus naiv ist und uns nur der Einsatz von Waffen nach vorne bringt – einfach toll!. Bodenlose Dummheit und Inhumanität gibt es ganz sicher und offensichtlich rechts wie links. Und wer die Gewalt, egal auf welcher Seite gut heißt oder rechtfertigt, hat so was von überhaupt nichts verstanden.
Juni: Die Kalenderblätter in meinem Geburtsmonat sind meistens die am wenigsten schönen, dafür hat diese Auflistung zwei sehr positive Ereignisse zu verzeichnen.
30: Am 13. Juni 1990 beginnt man mit dem Abriss der Berliner Mauer, damit hat diese Mauer ihren 30. Geburtstag nicht erlebt. Dass dies möglich war, ist nicht gewaltsamen Protesten oder dem Einsatz von Militär zu verdanken, sondern Menschen, die friedlich auf die Straße gingen, bis man ihrem Drängen nachgeben musste und einem Machthaber, der noch heute die Überzeugung vertritt, dass wir nur durch gegenseitiges Vertrauen einen Weg in eine friedliche Zukunft bauen können: Michail Gorbatschow.
75: Noch so ein ganz wichtiger 75. Geburtstag, am 26. Juni 1945 wurden die UNO-Charta unterzeichnet und damit die Vereinten Nationen gegründet. Man könnte in Tränen ausbrechen, wenn man sich überlegt, was aus dieser tollen Idee hätte werden können, und welch kümmerlicher Rest davon geblieben ist, aber lasst uns die Hoffnung nicht aufgeben. Der Klimawandel wird uns schneller und enger zusammenschweißen, als uns das aktuell bewusst ist. Dann ist die Zusammenarbeit aller Nationen dieser Erde dringender denn je.
Die Jubiläen des Juli haben eher Anekdotischen Charakter:
90: Am 8. Juli 1930 wird die Zugspitzbahn eingeweiht. Das ist nur eine Notiz wert, weil wir bei unserer diesjährigen DVA-Sommerfahrt so nah dran vorbei gefahren sind. Hätten wir gewusst, dass da eine Bahn ihren 90-sten feiert, hätten wir sicher voller Vertrauen in die guten, alten Tragseile (was 90 Jahre hält, hält auch noch heute) eine Fahrt zum höchsten Punkt Deutschlands gewagt. Apropos Punkte:
30: Am 8. Juli 1990 wird Deutschland Fußball-Weltmeister. Ich muss zugeben, ich war beim Schauen des Finales etwas abgelenkt. Beim gemeinsamen Schauen - damals nannte sich das noch nicht „public viewing“ – auf dem Campingplatz von Roger (Sprich: Roschee) Arnal (mit „R“ im Nachnamen, das wird gleich noch wichtig), hat mich die Frage, wird die Jeans von Roger – er bediente uns oben ohne, aber unten (noch) mit – noch weiter rutschen und mehr von diesem unästhetischen Körperteil offenbaren oder wird dieser Prozess hoffentlich bald ein verlässliches Ende finden, damit ich mich wieder ganz dem Spiel widmen kann. Ich sah nur teilweise wie ein nahezu unbekannter Diego Buchwald den kürzlich verstorbenen Weltstar Guido Maradonna zum harmlosen Spieler degradierte. Kurz und gut, Rogers Hose hielt ab einem gewissen Moment, was man zum Glück vom Torhüter der Argentinier beim Strafstoß von Andreas Brehme nicht behaupten kann.
Soviel dazu.
Im August wird es mit zwei nur drei Tage auseinander liegenden Ereignissen leider wieder ernst, sehr ernst.
75: Am 6. August 1945 zündeten die USA - angeblich um die Kapitulation Japans zu erzwingen – die erste Atombombe der Menschheitsgeschichte über Hiroshima.
75: Am 9. August 1945 erfolgte der Abwurf über Nagasaki. Amerika hat damit den Tod von über 100.000 Menschen, die sofort starben, 130.000 Menschen die im Laufe des Jahres 1945 starben, sowie viele weitere Tode und schwere Erkrankungen zu verantworten unter denen die Menschen zum Teil heute noch leiden. Zu Sinn und Unsinn dieser Abwürfe hat
der Pirmasenser Klaus Scherer eine tolle Dokumentation für die ARD gemacht, die auf YouTube noch zu finden ist (Link: https://www.youtube.com/watch?v=6UtaGtjtwWg&feature=emb_logo).
Zum Glück blieb es bei diesen beiden Atombombenabwürfen, wiewohl die Menschheit seither noch ein paar Mal kurz vor der atomaren Katastrophe stand.
Mittlerweile gibt es einen internationalen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen, der am 22. Januar 2021 wirksam wird, weil er inzwischen von 50 Staaten ratifiziert wurde, womit das Quorum für seine Gültigkeit erreicht ist. Der Vertrag wurde im Juli 2017 von der UN-Vollversammlung mit den Stimmen von 122 Staaten verabschiedet worden. 84 Länder sind ihm seither beigetreten – Deutschland gehört nicht dazu.
Meiner Meinung nach eine große Schande.
Der September hat wieder zwei Ereignisse zu bieten, die vielleicht nichts miteinander zu tun haben.
5: Ein kleines Jubiläum, aber im September 2015 beginnt mit der Ankunft von Flüchtlingen in Bayern die sogenannte Flüchtlingskrise in der führende Unionspolitiker dem „Wir schaffen das!“ unserer Kanzlerin allerlei entgegenzusetzen hatten. Mittlerweile würde das Merkel nicht mehr so sagen, aber mittlerweile untersagt unser Innenminister ja auch Gemeinden den Menschen aus dem Camp Moria zu helfen. Die Zeiten ändern sich und die Sorge vor rechten Forderungen führt zu deren Erfüllung.
85: Nur 80 Jahre vorher und das eine hat ja nichts mit dem anderen zu tun, verlieren am 15. September 1935 auf dem Nürnberger Parteitag der NSDAP die Juden ihre politische Rechte. Was sie danach noch verlieren sollten, ist bei den 75. Jahrestage der KZ-Befreiungen schon angeklungen und erst vor wenigen Tagen (am 21.12.2020) ging ein Prozess zu Ende. Zum Glück mit einem entsprechenden Urteil (Lebenslänglich mit Sicherheitsverwahrung). Am 9.10.2019 hatte ein Deutscher versucht eine Synagoge zu stürmen. Zum Glück hatte eine Tür dem Angriff standgehalten. Die ist jetzt zurecht ein Denkmal, ein Hoch der Handwerkskunst. Aber wie viele Denkmäler brauchen wir Deutschen noch – denkt mal darüber nach.
Kommen wir zum Oktober:
30: Am 3. Oktober 1990 erlebten wir die deutsche Wiedervereinigung. Ich nehme etwas Anstoß an dem Wort „Vereinigung“, denn 30 Jahre später stellt sich einiges doch etwas anders dar. Man hätte in dem Prozess sicher vieles besser machen können, besser machen müssen und so ist es für mich kein Wunder, dass wir 30 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch große Defizite in dem Prozess konstatieren müssen und ich hätte mir – nebenbei bemerkt – auch eher den 9. November 1989, den Tag des Mauerfalls, als „Tag der deutschen Einheit“ gewünscht, denn das hätte der Leistung der Menschen im Osten deutlich mehr gewürdigt. Politik macht man meist mit Symbolik – so oder eben so.
75: Noch ein 75-ster Jahrestag, den 6. Oktober 1945 nehme ich auf, weil an diesem Tag die erste Ausgabe der Süddeutschen Zeitung erschien und ich somit verraten kann, wo ich die ganzen Daten gefunden habe – Danke! In meinem Kopf habe ich das alles ganz sicher nicht.
Grau ist die Farbe des Novembers, Grün die Farbe der Hoffnung:
30: Am 9. November 1990 kommt der sowjetische Staatspräsident Gorbatschow zu einem Besuch nach Deutschland. Ich habe weiter oben die Leistung dieses Menschen schon gewürdigt. Ich denke die Aufnahme in die Liste durch die SZ unterstreicht seine Wichtigkeit. Ich selbst erinnere mich an begeisterte „Gorbi, Gorbi“-Rufe – fast wie bei einem Popstar. Nicht nur wir Deutschen haben ihm viel zu verdanken, er hat mit seiner Botschaft des Vertrauens auch maßgeblich den Kalten Krieg beendet – irgendwer musste den ersten Schritt tun, erst mal vertrauen – danke dafür. Wen interessiert, was dieser Mensch auch heute noch zu sagen hat, dem sei ein kleines Büchlein empfohlen: „Ein Appell von Michail Gorbatschow an die Welt – Kommt endlich zur Vernunft – Nie wieder Krieg“
30: Am 20. November 1990 unterzeichneten 34 Länder (die Staats- und Regierungschefs, der Teilnehmerstaaten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa – KSZE) die „Charta von Paris“. Wer davon ebenso wenig weiß, wie ich (bis vor ein paar Wochen) wusste, dem/der sei dringend die Lektüre der Charta empfohlen. Oje, ich weiß: „Schon wieder lesen …“. Hier zumindest ein Zitat (a song text of hope): „ Das Zeitalter der Konfrontation und der Teilung Europas ist zu Ende gegangen. Wir erklären, dass sich unsere Beziehungen künftig auf Achtung und Zusammenarbeit gründen werden. Europa befreit sich vom Erbe der Vergangenheit. Durch den Mut von Männern und Frauen, die Willensstärke der Völker und die Kraft der Ideen der Schlussakte von Helsinki bricht in Europa ein neues Zeitalter der Demokratie, des Friedens und der Einheit an.“
Schön war‘s …
Aktuell gilt Russland wieder als unser Feind, statt Zusammenarbeit gibt es Sanktionen und dort neben etwas Demokratie ganz viel Staatsterror, na prima!
Kommen wir zum Schluss, der Dezember:
30: Am 2. Dezember 1990 die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl. Na, die verlief so gar nicht nach meinem Geschmack. Aber die zweite war dann auch nicht besser und mir ging durch den Kopf, dass man den Ossis hätte erklären sollen, dass man jetzt im wiedervereinigten Land gerne auch mal eine Partei von der man enttäuscht ist, abwählen kann. Das mit dem Abwählen scheinen sie im Osten jetzt zu begreifen, aber mir ist es wieder nicht recht – Besserwessi halt.
50: Mit einem wunderschönen Ereignis, das am 7. Dezember 1970 sein Jubiläum feierte und an das ich mich sogar selbst noch erinnern kann, will ich diesen Jahres-Jubiläums-Rückblick schließen: Der Kniefall von Willy Brandt in Warschau.
Max Uthoff, der manchen bekannte Kabarettist, brachte in einem Bühnenprogramm Goethe, Beethoven, Einstein und ebenso die Fußballweltmeisterschaft und andere positive Dinge der deutschen Erinnerung in eine Reihe, erlaubte sich dann aber auch Auschwitz und andere eher unrühmliche Sachen aufzuführen. Er endete mit seiner Erkenntnis, dass man das eine nicht ohne das andere haben kann und es dann vielleicht besser sei, vom Stolz auf die eigene Nation etwas Abstand zu nehmen. Ich selbst war nie Fußballweltmeister, weder 54, da war ich noch nicht geboren, noch 74, da habe ich nur mitgejubelt, noch 90, da war ich bekanntermaßen von Rogers Jeans etwas abgelenkt und auch nicht 2014, da taten mit die Brasilianer wirklich leid, aber dafür habe ich auch vor kurzem keine 0:6 Packung von Spanien einstecken müssen.
Ihr merkt, ich tue mir schwer damit ein Deutscher zu sein, habe bei den französischen Freunden sogar mitunter das Gefühl um Entschuldigung für unser Land bitten zu müssen. Ich würde nie eine deutsche Fahne schwenken oder bei der Nationalhymne, deren erste Strophe mir nicht aus dem Sinn gehen will, mitzusingen, aber …
… Menschen wie Willy Brandt, und nicht zuletzt sein Kniefall verlangen wir gehörigen Respekt ab. Ich diesem Fall war es ein Deutscher, einer der sein Heimatland ins politischen Exil hatte verlassen müssen, dann zurückkam und als Deutscher diese große Geste der Bitte um Entschuldigung und Versöhnung sandte; ein anderes Mal in diesem Text erwähnt, war es ein Südafrikaner, dann ein Inder. Die Liste der großen Menschen ließe sich zum Glück lange fortsetzen, it doesn't matter where they are from. Aber es ist ungemein wichtig, dass es diese Menschen gibt und dass sie Gehör finden.
Hoffen wir, dass spätere Generationen positive Jubiläen des Jahres 2020 feiern können. Der 3. November mit der Abwahl von Donald Trump könnte so ein Tag werden.
Brauchen wir eine neue Friedensbewegung?
Der Frankfurter Appell vom 11. Oktober 2020
Wir haben aktuell genug um die Ohren mit Corona, da brauchen wir keine weiteren Aktionen, die uns nur im Kampf gegen das Virus ablenken. Falsch!
Mich haben in den letzten Tagen zwei Meldungen im höchsten Maß schockiert:
1. Da verkündet unsere Verteidigungsministerin, dass wir unbedingt an der Seite der USA bleiben und endlich mehr Geld für Verteidigung ausgeben sollen.
2. Da beklagt ein Untersuchungsbericht die „rechtswidrige Tötungen“ von 39 Zivilisten durch australische Sondereinheiten in Afghanistan. Neue Truppenmitglieder wurden offenbar dazu angehalten, Menschen als Initiationsritual zu töten.
Warum mich das so schockiert?
Beim Bericht aus Australien regt mich schon der Ausdruck "rechtswidrige Tötung" auf. Man darf Mord gerne Mord nennen, auch wenn er von Soldaten verübt wurde. Wie kann eine moralisch so abgestürzte Kultur, wie unsere Westliche, deren Werte wir ja angeblich mit unserem großen Verbündeten USA teilen, sich als weltweiter Friedensbringer aufspielen und so an den eigenen Maßstäben scheitern. (Hier ein Link zu einem interessanten Artikel zum Thema)
Dass jede "rechtwidrige Tötung" eines Zivilisten die Rechtfertigung für Terroristen darstellt, selbst Gewalt anzuwenden, setzt der grundsätzlichen Verwerflichkeit der Morde nur die Krone auf. Warum ich die USA genannt habe, wo es doch um Morde von Australiern geht? Weil seit Jahren durch Drohnen der USA, gesteuert vom pfälzischen Ramstein aus, eine Vielzahl an Morden an Zivilisten verübt wurden. Aber statt Menschen wie Assange als Helden der Aufklärung der Bevölkerung und eines freien Journalismus' zu feiern, droht ihm nach einem höchst fragwürdigen Prozess die Abschiebung aus Großbritannien und dann langjährige Haft in den USA. Danke für so viel Menschenrecht und westliche Werte!
Zurück zu unserer Verteidigung: Ich hatte mir erlaubt ein Mitglied des Verteidigungsausschusses zu fragen, wie hoch der Anteil der Ausgaben für Friedens- und Konfliktforschung im Verteidigungshaushalt ist. Seine Antwort (immerhin ein Grüner) ließ erkennen, was ich befürchtet hatte: Man schafft es noch nicht mal zu denken, dass Friedensforschung ein wichtiger Bestandteil von Verteidigung sein könnte (meiner bescheidenen Meinung nach sein MUSS). Stattdessen wurde ich auf Gelder für Friedensprojekte sonst wo verwiesen, die dann allerdings aus einem anderen Etat stammen. Was würde Herr Trump wohl sagen, wenn Frau Kramp-Karrenbauer ihm vorlegen könnte, dass wir unsere 2% des BIP jetzt erreicht hätten, weil wir zu unserer Verteidigung Milliarden für Friedensforschung und Konfliktvermeidung ausgegeben hätten?
Ich tue mir schwer damit, mit Verbrechern in einem Atemzug genannt zu werden und mir unterstellen zu lassen, ich teilte Werte mit ihnen.
Aber lesen wir in Ruhe den Frankfurter Appell, unterzeichnet von Vertretern von Friedensinitiativen, aber auch Gewerkschaften, Naturschutzorganisationen und Fridays for future.
In einem Kommentar schreibt Franz Alt dazu: "Aufrüstung und Hochrüstung sind keine Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit. Bisher orientierte sich unsere Verteidigungspolitik am uralten römischen Motto: „Wenn du Frieden willst, dann bereite den Krieg vor“. Ergebnis dieser Politik: 2000 Jahre Kriege, Elend und Massenmord. Eine heutige Politik im Atomzeitalter kann sich vernünftigerweise nur an diesem Motto orientieren: „Wenn du wirklich Frieden willst, dann bereite den Frieden vor“.
Gerne können wir 80 Milliarden statt aktuell 50 Milliarden für Verteidigung aus geben, aber auf einem anderen Weg.
Die Natur lehrt uns, dass Verteidigung auf verschiedene Weise möglich ist. Klar, da ist der Löwe, der alles was ihn angreift, tot beißt. Aber es gibt auch den Igel, der sich einfach einrollt und die Stacheln zur Verteidigung nach außen streckt. Ein Konzept zu dem ich schon deutlich mehr Sympathie empfinde. Aber es gibt auch das Krokodil und den kleinen Vogel, der das Krokodil in dessen Maul sitzend von Parasiten befreit. Vielleicht wäre ja Kooperation mal eine Idee?
Das wären dann auch westliche Werte, hinter denen ich wieder voll und ganz stehen könnte.
Die Produktion von Waffen und das Setzen auf Abschreckung ist erbärmlich und kein Weg, der die Menschheit in eine sichere Zukunft führt.
Und damit zurück zum Beginn: Wir haben aktuell nicht nur Corona, sondern vor allem auch eine sich verschlimmernde Klimakrise zu meistern. Beides ist nur durch weltweite Kooperation zu schaffen.
Auf dem Weg in eine friedvolle Welt?
Auf dem Weg in eine friedvolle Welt!
Was haben diese Länder gemeinsam: Antigua und Barbuda, Österreich, Bangladesch, Belize, Bolivien, Botswana, Cookinseln, Costa Rica, Kuba, Dominica, Ecuador, El Salvador, Fidschi, Gambia, Guyana, Honduras, Irland, Jamaika, Kasachstan, Kiribati, Laos, Lesotho, Malaysia, Malediven, Malta, Mexiko, Namibia, Nauru, Neuseeland, Nicaragua, Nigeria, Niue, Palau, Palästina, Panama, Paraguay, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Samoa, San Marino, Südafrika, Thailand, Trinidad und Tobago, Tuvalu, Uruguay, Vanuatu, Venezuela, Vietnam?
Sagt dir die Abkürzung TPNW etwas?
Na, eine Idee? Irgendetwas davon in den letzten Tagen in den Nachrichten gesehen oder Zeitung gelesen?
„Es ist 100 Sekunden vor 12!“
So erklärt es das Bulletin Boards der Atomwissenschaftler in Washington D.C., das 1947 die symbolische Weltuntergangsuhr („Doomsday Clock” oder “Uhr des Jüngsten Gerichts“) auf 7 vor Zwölf gestellt hat. Danach haben verschiedene Entwicklungen die Wissenschaftler dazu veranlasst die Uhr mal vor und mal zurück zustellen. 1991 als die START-Verträge unterzeichnet wurden, stand sie mal auf 17 vor Zwölf. Danach rückte sie stetig und teils schnell vor, angetrieben durch den Konflikt zwischen Pakistan und Indien, den Entwicklungen in Nordkorea, aber auch durch die Verweigerung der USA zu weiteren Verträgen. Erst Obamas Vision einer atomwaffenfreien Welt brachte den Zeiger mal wieder eine Minute zurück auf 11 Uhr 54. Seither haben der Mangel an Zusammenarbeit, die Gefahren wegen des Klimawandels und die Wahl Donald Trumps die Uhr wieder beängstigend nach vorne rücken lassen. Seit dem 23. Januar diesen Jahres steht die „Atomkriegsuhr“ nun erneut näher vor der Zwölf – es fehlen noch 100 Sekunden. So nahe standen wir nach Ansicht der Wissenschaftler noch nie vor der atomaren Katastrophe.
Man muss sich das mal überlegen: Noch nie gab es eine Spezies, die mit der Nutzung erneuerbarer Energien das technische Vermögen hatte, sich einen unvorstellbaren Wohlstand (Im Sinne von Freiheit von existenziellen Sorgen und unglaublich vielen Möglichkeiten zur Erhöhung des Wohlergehens) aller Angehörigen der Spezies zu sichern und das unter nachhaltiger Nutzung natürlicher Ressourcen und damit einhergehend der friedlichen Koexistenz mit anderen Spezies sowie der gesamten Flora und Fauna.
Wir sind einzig zu blöde, es zu realisieren. Stattdessen verschwenden wir in der Neuzeit unglaubliche Ressourcen auf maßlosen Konsum und schon immer auf das Austragen von bewaffneten Konflikten oder zumindest das Drohen mit Waffen.
Erbärmlich!
Doch jetzt zurück zu den Fragen von oben, denn etwas gibt wahrlich Grund zu hoffen.
Endlich (am 24.10.2020) haben mit Honduras die erforderlichen 50 Staaten (Deutschland gehört nicht dazu!) den Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW) ratifiziert und er kann damit nach 90 Tagen in Kraft treten. Dies ist auch gegen den massiven Druck der USA auf einige dieser Länder (s.o.) geschehen.
Ich bedauere es zutiefst, dass die Bundesrepublik Deutschland bisher nicht in der Liste auftaucht. Matthias Höhn von den LINKEN schreibt dazu: „Diese Ratifizierung bedeutet, dass der Verbotsvertrag in neunzig Tagen in Kraft treten wird. Damit wird der 22. Januar 2021 zu einem historischen Tag. Denn mit dem Inkrafttreten wird die Ächtung von Atomwaffen zum ersten Mal vom Völkerrecht abgedeckt – eine rechtliche Lücke wird geschlossen. Der Vertrag verbietet seinen Unterzeichnerstaaten unter anderem die Entwicklung, Stationierung und den Einsatz von Atomwaffen.
Es schmerzt, dass die Bundesregierung an ihrem Widerstand gegen den Atomwaffenverbotsvertrag festhält. Sie stellt sich damit auf die falsche Seite der Geschichte. Dort gehört Deutschland nicht hin.“
Der Kampf gegen den Klimawandel braucht unsere ganzen Kapazitäten, alle finanziellen, intellektuellen und ideellen Mittel und Kräfte. Die Menschheit kann es sich nicht leisten, etwas davon für Militarismus und Rüstung zu verschwenden. Wir benehmen uns auf dem geistigen Niveau kleiner Kinder, die sich beim Spielen am Strand um die Förmchen und Schäufelchen streiten und nicht merken, dass gerade eine große Welle anrollt, die sie bald davon spülen wird.
Obwohl ich nur der Vorsitzende eines kleinen Abenteuersportvereins im Pfälzerwald bin, erlaube ich mir die Vision des im Exil lebenden Führers der Tibeter zu teilen: „Die Welt hat nun den ersten positiven Schritt in Richtung einer friedlicheren Zukunft gemacht, unser Endziel jedoch sollte die Demilitarisierung des gesamten Planeten sein. Ich glaube, dass das machbar ist, …“ (Dalai Lama).
Herzliche Grüße
Bernd
Earth Overshoot Day
Wisst ihr, welcher besondere Tag am vergangenen Samstag war?
Es waren genau 406 Jahre vergangen, seit die anhaltende Auseinandersetzung zwischen Bürgern und Patriziat in der Freien Reichsstadt Frankfurt am Main, ausgelöst durch den Unmut über die Misswirtschaft des Rates und die geringen Einwirkungsmöglichkeiten der Zünfte, als „Fettmilch-Aufstand“ in ein Pogrom gegen die ansässigen Juden und ihre zeitweilige Vertreibung aus der Stadt mündete.
Dies wirft ein schlimmes Bild auf unsere ältere und leider auch allzu aktuelle Geschichte, ist aber nicht das gemeinte, besondere Ereignis.
Es jährte sich zum 171-ten Mal der erste Luftangriff der Geschichte, verübt durch die österreichische Armee durch den Abwurf von Brandbomben aus Heißluftballons auf Venedig.
Stimmt zwar, aber dennoch Fehlanzeige.
Vor 156 Jahren unterzeichneten zwölf Staaten die erste Genfer Konvention, die Grundlage des humanitären Völkerrechts.
Ein wichtiges und erfreuliches Jubiläum, aber auch das ist nicht gemeint.
Und natürlich meine ich auch nicht die Geburtstage von: Deng Xiaoping, Claude Debussy, John Lee Hooker, Laura Dahlmeier und Leni Riefenstahl – obwohl die zusammen sicher eine witzige Party feiern könnten, mit einem sehr abwechslungsreichen Musikmix und interessanten Gesprächsthemen.
Gemeint ist der sogenannte Erdüberlastungstag.
Was bedeutet dieses Datum? Seit Samstag leben wir auf Pump. Denn seit Samstag haben wir – weltweit gesehen – die gesamten natürlichen Ressourcen verbraucht, die unser schöner, blauer Planet in einem Jahr erzeugen und regenerieren kann. Und hätte es Corona nicht gegeben, wäre dieser Tage sogar fast einen Monat früher.
Das bedeutet, seit diesem Tag im Jahr leben wir aktuell am Leben-Seienden auf Kosten späterer Generationen. Aber das scheint uns ja nicht zu stören, so kommt zu dem dicken Schuldenpaket (das seit der Corona-Krise noch gewachsen ist) auch noch eine ausgebeutete Erde hinzu. „Après nous, le déluge“ – wie Madame Pompadour parlieren würde oder auch „Shit happens“ wie der Ami sagt.
Das mit den Geldschulden macht mir wenig Sorgen, denn jedem Euro Schulden steht ein Euro Guthaben entgegen, das kann man schnell ausgleichen – oder im schlimmsten Fall geht unser Finanzsystem hopps – das gäbe sicher einiges Chaos, es wäre aber nicht schade drum, taugt ja eh nichts und es wäre in der Geschichte der Menschheit nicht das erste Geldsystem, das kaputt geht.
Ganz so leicht wird es mit dem Bezahlen der Umweltschulden nicht sein. Daran werden spätere Generationen noch übel zu kauen haben. Aber was interessiert das mich, ich bin 58 Jahre alt und hatte viele schöne Jahre …
Apropos Zynismus und damit wir von unserem deutschen „Wir sind die Weltmeister im Umweltschutz“-Pferd endlich herunter kommen. Unser ureigener deutscher Erdüberlastungstag war bereits am 3. Mai (Daten für das Jahr 2019).
Bereiten wird uns also fürs kommende Jahr 2021 auf eine große Feier im Mai vor, da hat Alexander Gerst Geburtstag und der weiß aus eigener Anschauung, wie schön unsere Erde von oben aussieht und hält deshalb die Festrede, dazu singt der Third-May-Birthday-All-Stars-Chor: Georges Moustaki, Dave Dudley, Pete Seeger, Rea Garvey, Christopher Cross, Bing Crosby und James Brown ein Medley aus französischen Chansons, amerikanischen Country- und Folksongs, irisch Folk, etwas Pop, etwas Schmalz und viel Sex-Machine. Gekrönt wird das Konzert von einem Rap eines weiteres 3.-Mai-Geburtstagskindes, Kathrin Göring-Eckhardt, mit dem Titel „Sie sind grün“ und dazu dreht sich Knut Kiesewetter wie wild im Grab um.
Herzliche Grüße
Bernd
Corona und andere Arten zu sterben
An den Folgen einer Infektion mit dem SARS-CoV2 sterben weltweit viele Menschen. Das können auch alle Kritiker der ergriffenen Maßnahmen und Leugner der Gefährlichkeit nicht widerlegen. Wie hoch die Zahlen genau sind, kann aber niemand seriös beantworten. Ein Blick auf die Graphen auf Euromomo zeigt, dass es in Europa einen deutlichen Peak in den Wochen 10 bis 18 dieses Jahres gab. Seit der Woche 22 liegen die Zahlen wieder im Normbereich. In Erwägung der vielen und teilweise vorher unbekannt strengen Maßnahmen, die ergriffen wurden und zum Teil noch gelten, muss man sicher von einer großen Gefahr, die vom Virus ausgeht, sprechen.
Diese Maßnahmen hatten und haben aber auch enorme Schäden angerichtet und welche Taktik sich letztlich als die erfolgreichste (größte Wirkung bei geringsten Schäden) herausstellen wird, ist meiner Meinung nach noch völlig offen. Sicher werden weltweit sehr viele Menschen an oder im Zusammenhang mit dem Virus gestorben sein.
Aber Menschen sterben auch aus anderen Gründen. Wolfgang Schäuble hat vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass der Schutz des Lebens nicht das einzige Grundrecht ist, das es zu verteidigen gilt. So halte ich es für absolut richtig und notwendig, dass man alle Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus kritisch auch auf ihre "Nebenwirkungen" beleuchtet. Ich habe keinerlei Verständnis für besoffene Gewalttäter, wie in Stuttgart oder Frankfurt, aber ich kann sehr gut nachvollziehen, dass - vor allem junge Menschen - sich nach Feiern, Party und einer sorgenfreien Ausgelassenheit sehnen und alte Menschen in Heimen gerne wieder engen Kontakt zu ihren Lieben hätten. Corona hat uns aktuell sehr viel genommen und die Maßnahmen haben sehr viel zerstört.
Dann fragt man sich, wie sieht es in anderen Bereichen aus. Wieso wird da nichts unternommen?
Beispiel 1:
Verkehrstote in Deutschland, dem Land ohne Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn.
Es ist schwer, verlässliche Zahlen zu finden, manche Befürworter gehen von 400-500 zu rettender Menschenleben durch Tempo 130 auf deutschen Autobahnen aus. Es gibt einen Modellversuch: Auf dem untersuchten Abschnitt der A24 in Brandenburg starben den Jahren 1996 bis 2002 ohne Tempolimit 38 Menschen. Seit der Beschränkung auf 130 km/h im Jahr 2003 halbierte sich diese Zahl auf 19 Tote. Es könnten also sicher viele Menschenleben gerettet und Verletzungen vermieden werden, wenn wir nur bereit wären, das umzusetzen, was eine Mehrheit der Deutschen schon lange wünscht: Ein Tempolimit auf den Autobahnen. Der französische Bürgerrat (ein temporäres Gremium bestehend aus 150 zufällig ausgewählten Bürger*innen) hat sogar Tempo 110 für Frankreich gefordert (auch wenn da Klimaschutzgedanken die Hauptrolle spielten).
Halten wir fest: Eine Mehrheit wäre dafür, aber um die Freiheitsrechte Einiger (hier das Recht sich so schnell wie man möchte auf Autobahnen zu bewegen) nicht zu verletzen, nimmt man eine Zahl an Toten und Verletzten in Kauf die mit großer Sicherheit im vierstelligen Bereich liegt.
Beispiel 2:
Tote durch Luftverschmutzung ausgehend von Kohlekraftwerken.
Dass alle Kohlekraftwerke (weltweit) abgeschaltet werden müssen, um dem Klimawandel zu begegnen ist klar. In Deutschland hat man sich auf einen Ausstiegskompromiss geeinigt, der dieses Ende im Jahre 2038 vorsieht. Das ist noch sehr lange hin, schlecht für das Klima und kostet dennoch Milliarden an Entschädigungen für die Industrie. Was weniger bekannt ist, es dürften nach der Studie „Emissionsgrenzwerte für Kohlekraftwerke: Gesundheitliche Folgen der vorgeschlagenen Grenzwerte in Deutschland“, die die Organisation ClientEarth in Auftrag gegeben hat, durch die noch laufenden Kraftwerke viele Milliarden an Kosten für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft entstehen und vielen Menschen einen vorzeitigen Tod bringen.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie sind: Dass die für den Zeitraum 2022 bis 2038 von der Bundesregierung vorgeschlagenen Grenzwerte für Emissionen aus Kohlekraftwerken zu schätzungsweise bis zu 26.000 vorzeitigen Todesfällen führen würden und die Volkswirtschaft und das Gesundheitssystem durch die gesundheitlichen Auswirkungen im Zeitraum 2022 bis 2038 mit bis zu 73 Milliarden Euro belasten würden.
Setzte man die besten verfügbaren Techniken zur Schadstoffreduktion ein, könnten die Todesfälle um 65% reduziert (das wären 16.900 Menschenleben) sowie die Kosten für die Allgemeinheit um ca. zwei Drittel auf 21 Milliarden Euro gesenkt werden. Und ein früherer Kohleausstieg bis 2030 würde zu einer weiteren Halbierung führen, also nochmals ca. 10,5 Millarden Euro und 8.450 Menschenleben.
Die Parallelen zu Corona sind deutlich: Durch Maßnahmen können Menschenleben gerettet werden, auch in diesem Fall wohl eher Leben von Menschen mit Vorschädigungen und älteren Menschen.
Was sollen die beiden Beispiele zeigen?
Um Rechte von Teilen unserer Gesellschaft zu schützen (hier die Rechte so schnell wie's beliebt zu fahren und aus schmutzigen Kraftwerken Gewinne zu erzielen), werden Rechte anderer Teile der Gesellschaft (hier die Rechte auf körperliche Unversehrtheit und Gesundheit) geopfert.
Alles eine Frage der Abwägung!
Ich bin in der Corona-Krise gerne bereit für die Gesundheit von vorerkrankten und alten Menschen Einschränkungen meiner Freiheitsrechte hinzunehmen, auch wenn ich lieber ohne Maske einkaufen gehen würde und auch mal wieder Lust auf einen Konzertbesuch hätte. Ich habe sogar Verständnis, dass unserem Verein durch die Maßnahmen fast alle möglichen Einnahmen eines ganzen Jahres verloren gingen. Aber es macht mich zornig, wenn ich erkennen muss, wie unsere seit Jahren völlig überforderte Regierung auf fast allen anderen Augen blind ist.
Zeit für einen Wechsel - dringend!
Corona und die Schulden
Ich möchte meine Gedanken mit einem richtig zugeordneten Zitat vom Meister der falsch zugeordneten Zitate und seinem netten Mitbewohner beginnen:
"Nochmal zum Mitschreiben", sage ich. "Du behauptest jetzt also, dass du mir gar keine 4,95 schuldest?"
"Genau", sagt das Känguru. "Und wenn jetzt zum Beispiel alle so tun, als hätte Berlin keine Schulden mehr, dann hätte Berlin auch keine Schulden mehr."
"Ja", sage ich, "aber warum sollten das die Gläubiger tun?"
"Das ist ja das Schöne daran", sagt das Känguru. "Es reicht, wenn's die Schuldner tun. Wenn sich die alle einig sind - das wären dann nämlich 99,9 Prozent der Weltbevölkerung -, könnten die Gläubiger kommen und sagen: 'Ey, ihr habt Schulden bei uns', und wir stellen uns einfach dumm und sagen: 'Weiß ich nix von...' "
"Hm", sage ich.
"Und jetzt stell dir vor, wenn einfach alle so tun würden als hätte keiner mehr Schulden. Dann gäbe es keine Schulden mehr. Das ist doch irre. Da lässt man die Leute verhungern oder erfrieren, aber nicht weil's an Häusern oder Käsestullen mangelt, sondern nur wegen Hirngespinsten."
"Ja, aber wenn man deinen Vorschlag in die Tat umsetzt, dann würde, glaube ich, das ganze Weltwirtschaftssystem zusammenbrechen", sage ich.
"Umso besser", sagt das Känguru. "Taugt eh nix."
("Die Känguru-Chroniken" von Marc-Uwe Kling, Seite 83)
Aktuell ist es so, dass die Regierungen fast aller Länder weltweit riesige Schuldenberge angehäuft haben und diese zur Linderung der durch die Lockdowns zur Eindämmung der Verbreitung des Virus' erzeugten Krise immer weiter wachsen. Da kommt ein schlauer Vorschlag, wie der des Kängurus doch gerade recht. Und so absurd er in unseren Ohren auch klingen mag, er ist nicht weniger pervers, als das tatsächlich vorhandene Wirtschafts-, Währungs- und Finanzsystem. Pervers kommt bekanntlich vom Lateinischen perversus, was verdreht oder auch verkehrt heißt. Und genau das ist unser System.
Laut Chuck Collins, einem Autor und Leiter des Programms für Ungleichheit und Gemeinwohl am Institute for Policy Studies sind die Milliardäre während der Krise reicher geworden. In einem Interview sagt er: "Nun, es ist erstaunlich. Wie Sie wissen, sind die globalen Aktienmärkte gestiegen. Insgesamt ist es also nicht überraschend, dass das Vermögen der Milliardäre gewachsen ist. Aber es ist explodiert. Beim ersten Milliardär Bonanza Bericht, haben wir zwischen dem 18. März und dem 15. April, drei Wochen verzeichnet, in denen das Milliardärsvermögen um 282 Milliarden Dollar gestiegen ist. Letzte Woche, am 4. Juni, ist das Vermögen der Milliardäre um 565 Milliarden Dollar gewachsen. Und wie Sie wissen, ist das ein noch größeres jährliches Wachstum als in den letzten Jahren. Das Vermögen der Milliardäre ist also deutlich gestiegen.
Und um das in einen Kontext zu stellen: 42,6 Millionen Menschen meldeten sich bis zum vergangenen Freitag arbeitslos. Über 110.000 Menschen sind an der COVID-19-Pandemie gestorben. Wir erleben gerade antirassistische Aufstände in den Vereinigten Staaten. Dieser Wohlstandszuwachs, 565 Milliarden in 11 Wochen, der an die US-Milliardäre geht, entspricht fast 20 % des gesamten Vermögens afroamerikanischer Haushalte in den Vereinigten Staaten. Das sind die Informationen, die wir versuchen, nach außen zu bringen. Lassen Sie uns den Aufstand, die "Black Lives-Matter" Bewegung auch im Zusammenhang mit dem wachsenden Reichtum der Milliardäre verstehen." (1)
Das ist deutlich. Aber wem das nicht reicht, dann noch ein Zitat:
"To Our Fellow Global Citizens:
As Covid-19 strikes the world, millionaires like us have a critical role to play in healing our world. No, we are not the ones caring for the sick in intensive care wards. We are not driving the ambulances that will bring the ill to hospitals. We are not restocking grocery store shelves or delivering food door to door. But we do have money, lots of it. Money that is desperately needed now and will continue to be needed in the years ahead, as our world recovers from this crisis."
Dies schreiben 83 Millionäre, die der Meinung sind, dass sie eine wichtige Rolle zu spielen haben, weil sie in der Krise weder als Pfleger*innen, Verkäufer*innen noch sonst in einer Art geholfen haben, jetzt aber mit ihrem vielen Geld gebraucht würden. Und sie fordern Steuererhöhungen und dass man von dem vielen Geld der Superreichen etwas nimmt, um aktuell und in Zukunft die Krise zu beheben. Wäre ich Millionär, ich würde sofort unterzeichnen (www.millionairesforhumanity.com).
Alle die sich wegen mangelndem Besitzes - wie ich - den Millionären für Humanität nicht anschließen können, gibt es hier eine Möglichkeit ihre Meinung zu äußern: Reiche und Konzerne besteuern, um die Corona-Pandemie zu bewältigen.
Merken da vielleicht Menschen, dass es in einer globalisierten Welt nur zusammen klappen kann. Sollten auch wir "Mittelständler*innen", die wir es uns in einer tollen Nische bequem gemacht haben, nicht endlich auch aufwachen? Uns Menschen im deutschen Mittelstand geht es so gut, wie noch nie in der Geschichte. Wir dürfen uns über ausreichend Nahrung, Wohngelegenheiten, Kleidung und einiges an Wohlstand freuen - und das gut bezahlbar. Wir haben kein Problem mit der Moral, zumindest so lange wir uns nur mit anderen Westeuropäer*innen vergleichen. Aber auch wir sollten uns nichts vormachen. Corona legt einige Wunden bloß und der Klimawandel geht ungebremst weiter. Wir wählen uns seit Jahrzehnten Regierungen, die in ihrer Konzept- und Visionslosigkeit nur eins kennen: "Weiter so, wie bisher!".
Zurück zu den Finanzen: Es wäre so leicht, alles zum Besseren zu wenden. Wir müssten nur den aktuell Mächtigen diese Macht entreißen und sie - wie es einer Demokratie gebührt - dem eigentlichen Souverän zurückgeben. Dann müssten wir uns in Vertretungen zusammensetzen und unser Finanzsystem von Grund auf so umbauen, dass es zukunftsfähig ist und allen dient. Unser Geld würde dann insgesamt (nicht nur das Bargeld, sondern auch das Buchgeld) von einer unabhängigen vom Souverän kontrollierten Instanz geschöpft werden. Manche nennen das "die Monetative (siehe: monetative.de). Diese "freie", Europäische Zentralbank (und später Weltzentralbank) schöpfte das ganze Geld und hätte somit Kontrolle über die Geldmenge. Banken würde es natürlich weiterhin geben, aber ihre Aufgabe bestünde im Verwalten von Konten und der Vergabe von Krediten (ohne Zins, aber mit Gebühren zur Finanzierung der Banken).
Die Schöpfungsgewinne der Zentralbank flössen den einzelnen Staaten zu. Auch Kredite erhielten die Staaten zinsfrei von der Zentralbank - am besten aber nur bis zu einem zu definierenden Höchstsatz.
Flankiert würde das ganze mit Steuerreformen, die verhinderten, dass einzelne Menschen irrwitzige Reichtümer anhäufen und diese vererben könnten.
Dass es Schwachsinn ist, unerhörte Summen für Rüstung und Waffen auszugeben, brauchte eigentlich nicht erwähnt zu werden. Wie ist wohl das Verhältnis der finanziellen Aufwendungen Deutschlands für Rüstung und für Friedensforschung? Ich fürchte hier besteht ein mehr als krasses Missverhältnis.
"Keiner will sterben, das ist doch klar. Warum sind dann Kriege da?" Was vor Jahren Udo Lindenberg getextet hat und ein kleines Mädchen singen ließ ist, wie so viele naive Ideen und Gedanken der Schlüssel zu (Er-)Lösungen. Manche naive Gedanken sind so zutreffend, dass sie einem den Boden unter den Füßen wegziehen. Und wer naiv dann als Schimpfwort benutzt, möchte nur von seiner eigenen Ratlosigkeit und Resignation ablenken.
Schön wäre es, wenn die Lämmer aufhörten zu schweigen.
Die Lösungen sind oft so offensichtlich, aber ... ihr merkt, warum ich die ganze Zeit den Konjunktiv irrealis benutzt habe.
(1) Link zum Bericht auf www.pressenza.com/de mit dem Interview im Originalvideo und der Übersetzung des Textes ins Deutsche.
Hallo liebe DVA'ler*innen.
heute hat mich eine Nachricht aus unserer zweiten DVA-Heimat Südfrankreich erreicht, die ich gerne mit euch teilen möchte.
Chrissi beschreibt darin, wie es bei ihr gerade aussieht. Bitte lest den Eintrag aus dem "Tagebuch der Eingesperrten":
Journal des Confinés
Gestern habe ich brav meine Ausnahmegenehmigung ausgefüllt, damit ich ohne Stress nach Florac zum Einkaufen fahren kann. Ich beneide immer noch alle Menschen, die in einem Land leben, in dem dem Einzelnen ein Mindestmaß an Verstand zugetraut wird und man sich zwar mit Einschränkungen, aber trotzdem bewegen kann. Hier bei uns geht die Angst um, der Rentner aus dem Nachbardorf musste zahlen, weil er mit dem Auto 5 km in seinen Garten fährt zum Gießen und überall werden Menschen denunziert, die zu ihren Ferienhäusern fahren. Schlimmer noch sind die Anfeindungen gegenüber Pflegepersonal, ihnen wird nahegelegt, in Mietshäusern alle gemeinsame Bereiche zu meiden und die Fahrstühle nicht zu benutzen.
Leider reagieren Menschen wohl so, wenn extremen Situationen mit willkürlicher, staatlicher Kontrolle begegnet wird.
Da wird selbst der Besuch im Intermarché zur willkommenen Abwechslung und ich freue mich als ich den ersten grünen Spargel entdecke! Als ich noch überlege, ob ich mir das gönnen soll, fällt mein Blick auf ein Sonderangebot, das Bündel ist um zwei Drittel billiger, der Spargelabend gerettet! Bei genauem Hinsehen merke ich, dass die Ware aus Deutschland kommt … es lebe also die Spargelluftbrücke, die hilft, die Konkurrenz aus der Provence platt zu machen.
Hier hat, finde ich, jeder von uns die Möglichkeit ein Stück weit mitzubestimmen, wie es nach der Krise weiter gehen könnte, bzw. seine Kräfte für Schwächere zu mobilisieren.
Man kann Produkte von Erzeugern kaufen die ohne eingeflogene Erntehelfer auskommen, ihre Arbeiter in der Umgebung finden und entsprechen sozial absichern.
Wenn ihr in der glücklichen Lage seid, trotz der Krise Geld zu verdienen, denkt an alle, denen es nicht so geht, kauft Essen zum Mitnehmen bei eurem Lieblingsrestaurant, unterstützt freie Künstler, alternative Projekte und kleine Läden, sonst werden diese verschwinden und mit ihnen die Vielfalt der Kultur.
Staatliche Hilfe ist meist ein Tropfen auf den heißen Stein oder besteht aus Krediten, die den Bankrott nur aufschieben.
Werdet aktiv, wenn sich Mitmenschen als Kontrolleure aufspielen und andere denunzieren oder anfeinden.
Ich habe mich dann doch für Gemüse aus der Gegend entschieden, das gerade auf meinem Ofen brutzelt ...
Euch allen eine gute Zeit und gute Gesundheit
Grüße aus dem «schönen» Frankreich
Christiane
Hallo liebe DVA'ler*innen,
immer wieder erhalte ich Rückmeldungen zu meinen Texten und Mails an die Mitglieder. Es freut mich sehr, wenn ich mit meinen Gedanken ein Nachdenken anstoßen kann.
Gerade hat mich eine längere Antwort von Yan erreicht, dessen Meinung ich euch nicht vorenthalten will. Mich haben besonders seine Überlegungen zum Thema "Distanz" beeindruckt.
Hallo liebe Freunde,
ich wünsche euch schöne, entspannte und kreative Corona-Tage.
Es gibt nichts auf der Welt, was nicht auch etwas Positives hätte und so ist es wohl auch mit der Coronapandemie. So komme ich endlich mal zu Dingen, für die mir meist die Zeit fehlt und somit auch zum Klettern - trotz der unsinnigen Empfehlung der Vereinigung der Pfälzer Kletterer, auf das Klettern in der Pfalz zu verzichten.
Nicht das Klettern führt zu einer Coronainfektion, auch nicht das Spazierengehen von länger als einer Stunde oder das Fahren von mehr als einem Kilometer (was beides die franz. Regierung verbietet) und auch nicht das Zusammensein von mehr als 2 Personen (welche nicht im eigenen Haushalt leben), auch nicht dem Umstand, dass Mecklenburger einen Ausflug zu der Seenplatte machen. Zu einer eventuellen Coronainfektion führt lediglich die Nähe zu einem Coronainfizierten. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion verringert man, indem man die eigentlichen Risiken minimiert.
Im Wesentlichen geht es darum 4 Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:
1. die Anzahl der Menschen, mit denen man in näheren Kontakt tritt, verringern (Bei einem Kontakt zu Menschen, welche selbst wenige Kontakte haben, ist das Ansteckungsrisiko geringer.)
2. ausreichenden Abstand zu anderen Menschen wahren
3. andere Menschen möglichst im Freien treffen
4. die Dauer in der man mit einem Menschen (welcher nicht dem eigenen Hausstand angehört) in Kontakt ist, verringern
(Anmerkung: Nach dem derzeitigen Wissensstand ist eine Flächeninfektion äußerst unwahrscheinlich; vor einer Tröpfcheninfektion jedoch, sollte man sich in Acht nehmen.)
Letztendlich geht es darum, das Risiko auf das Maß der allgemeinen Lebensrisiken zu minimieren. Wer versucht das Risiko auf Null zu senken, läuft Gefahr an einer Angststörung zu erkranken.
An der Coronasituation finde ich zweierlei Umstände am Erschreckensten:
1. Mir ist bewusst geworden, wie wenig Kompetenz die Regierenden ihren Regierten zutrauen. Man weist sie an wie Kinder, die noch nicht in der Lage sind, Situationen in ihrem Wesenskern einzuschätzen.
2. Mir wurde klar, wie schnell die Bürger bereit sind, ihren Kopf auszuschalten und unkritisch allen unsinnigen Anordnungen Folge zu leisten. [Im Rückblick auf das dunkelste Kapitel unserer deutschen Geschichte, hat man sich immer wieder die Frage gestellt, warum die Deutschen (aber auch andere) immer williger sich bereit gezeigt haben, dem Kurs der Regierung zu folgen und sowenig Zivilcourage gezeigt haben. Kennt ihr den (auf Tatsachen beruhenden) Film „Die Welle“ in dem gezeigt wird, wie schnell eine Gruppe/Gesellschaft bereit ist, die demokratischen Werte über Bord zu werfen ?]
Wie kann man glauben, dass die Menschen in entscheidenderen Situationen Standfestigkeit zeigen, wenn es ihnen schon derzeit nicht möglich ist?!
Das sorgt mich wirklich !
Sucht Orientierung mit euren gesunden Menschenverstand. Richtet euren Blick auf die Sinnhaftigkeit der Gesetze und Verordnungen und nicht auf deren juristischen Auslegung ! [Exkursion: Irgendwann ist mir bewusst geworden, dass eine juristische Betrachtung nicht das Gleiche ist, wie eine sinnhafte Betrachtung ! Eine juristische Umsetzung einer Zielvorgabe, kann letzter sogar entgegenwirken. Das haben wohl auch vor mir schon Andere erkannt und den Begriff der Paragraphenreiter geprägt.]
Noch was: Der Begriff „Soziale Distanz“ ist auf dem besten Weg zum Unwort des Jahres gekürt zu werden. Gerade in der derzeitigen Ausnahmesituation ist es wichtig „Soziale Nähe“ zu praktizieren. Es geht lediglich darum „Körperliche Distanz“ zu wahren !
Noch etwas zum Überdenken: Viele unserer Politiker wünschen sich, möglichst bald wieder zur „Normalität“ zurückkehren zu können und übersehen dabei, dass es gerade dieser Normalzustand (Stichwort: globaler Welthandel) war, der die rasende Ausbreitung des Corona-Virus ermöglicht hat. Diese Normalität ist dabei unser zivilisatorisches System an die Wand zu fahren. Wenn das passiert (Stichworte: Klimawandel, Überbevölkerung, Zerstörung der Naturräume, internationale Konflikte) wird sich zeigen, dass die Pandemie-Krise lediglich ein laues Lüftchen war, im Vergleich zu dem Sturm der dann kommen mag. Aber es ist noch nicht zu spät, die Weichen umzustellen. Vielleicht vermag Corona uns noch rechtzeitig aufzurütteln – dann hätte der Virus sogar was Gutes bewirkt. Wir brauchen vermehrt Politiker mit Weitblick – Weise statt Wissende.
Herzliche Grüße …Yan…
Hallo liebe DVA‘ler*innen,
wer hätte das gedacht, noch bei unserer Mitgliederversammlung haben wir uns alle – wie üblich – mit Umarmungen begrüßt und ich habe über Rolands vorher geäußerte Bedenken und Bettys Befürchtungen gelächelt – bitte entschuldigt das.
Drei Wochen später hätten wir nicht nur unsere Mitgliederversammlung nicht mehr durchführen können, sondern wären überhaupt nicht auf die Idee gekommen uns näher als 1,5 Meter aufeinander zu zu bewegen.
So schnell kann‘s gehen.
Aber ich bin nicht alleine mit den Irrtümern. Wenn ich mir in Erinnerung rufe, was an Verlautbarungen aus dem Robert-Koch-Institut zu hören war. (Fast) alle dachten, das sei ein Problem der Chinesen oder allenfalls mancher asiatischen Länder, wie damals bei SARS und wir alle haben die unnütze Hysterie um Vogel- und Schweinegrippe nicht vergessen, die manchen wie ein Supertrick der Pharmaindustrie vorkam, mit später dann vernichteten Impfstoffen, eine Unmenge Profit zu machen.
Noch lange dachte ich, dass es sich vielleicht nur um einen Hype handelt bzw. handeln könnte, der durch bloße Aufmerksamkeitslenkung und Fehlinterpretationen entstanden ist oder - in heutigen Tagen mit Fake-News und Trollen im Netz – generiert wurde. Noch immer geistern solche Meinungen durchs Internet und die Medien.
Ich bin kein Wissenschaftler, aber ich kann ein wenig rechnen – und ich bin Abenteuersportler.
Was das mit der Bewertung der Pandemie zu tun hat?Das will ich euch gerne erklären, denn mir helfen Wechsel des Blickpunktes mein Verständnis zu fördern und/oder neue Ideen zu entwickeln.
Die meisten von uns im DVA haben schon einmal in einem Kanu gesessen, manche sind sogar schon im richtigen Wildwasser gepaddelt. Es fällt uns also (fast) allen nicht schwer uns eine Situation vorzustellen, in der wir das Wasser immer lauter rauschen hören, die Wellen sind immer größer werden, weiße Stellen auftauchen und das kleine Boot immer mehr schaukelt. Alle die dann zu viel Angst bekommen und sich der Situation nicht gewachsen fühlen, fahren ins nächste Kehrwasser und umtragen die schwere Stelle am Ufer oder brechen die Paddeltour ab - eine sehr vernünftige und nachvollziehbare Reaktion.
Aber wir waren auch schon mit dem DVA auf dem Var unterwegs und sind mit zwei großen Gruppen in die Gorges de Daluis eingefahren. Wer dabei war, wird es nie vergessen. Wer die Gorges de Daluis nicht kennt, dem sei die Besonderheit erklärt: Wenige hundert Meter nach der letzten Aussetzstelle erheben sich recht und links steile, rote Felswände und die nächsten 4 Kilometer sind eine kehrwasserarme, einzige Zwangspassage, will meinen, man muss durch - im Boot sitzend oder schwimmend.
In einer solchen Situation befinden wir uns gesellschaftlich gerade auch – nur dass wir nicht wissen, wie lang die Strecke ist, es können 5-6 Wochen sein, wenn wir chinesisch agieren oder ein Jahr, wenn wir eine andere Taktik wählen.
Damals im Beispiel wie auch heute in der Realität haben uns Fehleinschätzungen in eine missliche Lage gebracht. Und weitere Fehlinterpretationen von Daten lassen die Gefahr nur größer werden. Wenn ich einen Kanuführer nicht richtig lesen kann und meine eigenen Fähigkeiten falsch einschätze, kann das fatale Folgen haben.
Zu den Fehlinterpretationen und wichtigen Korrekturen:
Ja, es stimmt, dass in der Grippesaison 2018/19 ca. 40.000 Menschen in Europa an ganz normaler Grippe gestorben sind. Und es gibt verlässliche Quellen die von bis zu 20.000 Grippetote im Jahr für Deutschland sprechen. Aktuell (24.3.2020 - 9:00) sind in Europa bereits über 10.000 Menschen an COID-19 gestorben. Wo würden diese Zahlen (hinter denen einzelne menschliche Schicksale stehen) ankommen, wenn keine einschneidenden Maßnahmen getroffen würden.
Das macht Angst und es ist gut, dass uns das Angst macht.
Doch zurück zur Kanu-Analogie: Angst ist beim Abenteuersport eine wesentliche Voraussetzung um Gefahren zu minimieren. Ich meine damit aber eine konstruktive Angst, die uns von unbedachten Handlungen abhält, uns aber nicht zu hirnlosem, panischen Handeln treibt oder uns in komplette Angststarre versetzt – was beides vorkommen kann.
Wenn wir wissen, wir müssen eine Stromschnelle bewältigen, hilft uns panisches Handeln ebenso wenig wie Angststarre. Wir müssen die Situation möglichst gut analysieren, eine Handlungsstrategie entwerfen und dann mutig lospaddeln. Sehr gute Paddler*innen werden dann immer an der richtigen Stelle den richtigen Schlag ansetzen und unten im Kehrwasser auf die schwächeren Paddler warten, ihnen gezeigt haben, dass es machbar ist und wie man es meistern kann oder wenigstens mit motivierenden Zurufen: „Paddel, paddel, paddel!“ für die nötige Geschwindigkeit gesorgt haben. Nur das konsequente Umsetzen der ausgesuchten Strategie, eventuell mit nötigen Anpassungen, weil doch ein weiterer Rücklauf zu umfahren ist oder glücklicherweise ein gutes Kehrwasser auftaucht, bringt den gewünschten Erfolg.
Was ich damit sagen will ist folgendes:
Wir müssen in der aktuellen Situation eine der beiden Taktiken aussuchen:
Entweder mit allen Mitteln die Seuche eindämmen, also im Wildwasser mitten durch die fette Walze, dann aber mit voller Kraft und aller Konsequenz.
Bei Corona wären das Maßnahmen wie in China, also eine absolut konsequente Unterbindung von sozialen Kontakten bei gleichzeitiger flächendeckender Testung der Bevölkerung.
Dadurch könnten innerhalb von wenigen Wochen die Infektionsketten unterbrochen werden, wie es uns China (bei aller Vorsicht bei den gemeldeten Zahlen) vorgemacht hat. Es würden viele Tote verhindert, aber es bliebe das Problem, dass die Bevölkerung danach immer noch keine sogenannte Herden-Immunität besäße und wir sehr vorsichtig sein müssten, dass nicht von außen neue Infektionen eingeschleppt werden, bis endlich der Impfstoff da ist.
Alternativ kann man den europäischen Weg in einer seiner Variationen gehen und versuchen durch Kontaktreduzierung die Infektionskurve abzuflachen und damit einen handhabbaren Anstieg der schweren Fälle zu erreichen. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass am Ende fast die komplette Bevölkerung immun sein dürfte. Der Preis den man zahlen muss, ist aber der, dass egal wie niedrig die Todesrate ist, es zu vielen tausend Toten kommen muss, da man nur „unnötige“ Todesfälle durch Systemüberlastung vermeiden kann und dazu die Zahl der Neuinfektionen in einem akzeptablen Bereich gehalten werden muss, woran Italien bereits gescheitert ist - und Großbritannien und die USA sind auf einem gefährlichen Weg.
Daneben ist es schwer dies zu steuern, denn die Ergebnisse der Maßnahmen zeichnen sich erst 7-14 Tage später ab. Macht man zu viel dämmt man ein und hat dann das Ergebnis wie in China, die Epidemie ist gestoppt, aber nicht alle sind immun, es kann also jederzeit wie in losgehen oder man macht zu wenig, dann schnellen die Zahlen der Neuinfizierten zu hoch und überlasten die Systeme.
Diese Daten kann man für Deutschland recht verlässlich berechnen:
Wir werden durch alle getroffenen Maßnahmen ca. 14.000 Intensivbetten mit Beatmungsgeräten bereitstellen können. Ein Schwererkrankter muss im Schnitt eine Woche beatmet werden. Da man annimmt, dass es bei ca. 5% der Infizierten zu schweren Komplikationen kommt, lässt sich leicht ausrechnen, dass wir in Deutschland an die Kapazitätsgrenzen stoßen, wenn es mehr als 40.000 Neuinfizierte pro Tag gibt. Denn davon würden 2.000 intensivbehandlungspflichtig und genau diese 2.000 Intensivbetten würden bei einer geschätzten Durchschnittsdauer pro Behandlung von 7 Tagen pro Tag frei – hoffentlich frei, weil man Menschen gerettet hat.
Aktuell kann dummerweise niemand verlässliche Aussagen über die Zahl der Infizierten in Deutschland machen. Alle vorliegenden Zahlen haben wahrscheinlich riesige Dunkelziffern. Aber gehen wir man von den bestätigen Neuinfizierten pro Tag und der pessimistischen Dunkelziffer von 1 zu 10 aus. Dann würde das bedeuten, dass es nicht die bestätigten 3.000 Neuinfizierten (Durchschnitt der letzten 4 Tage), sondern maximal 30.000 sind. Das wäre noch im leistbaren Bereich. Sollten sich die aktuellen Zuwachsraten bestätigen, dann beginnt sich die Kurve schon abzuflachen und ein weiteres deutliches Abflachen ist mit der Wirksamkeit der Maßnahmen in einigen Tagen zu rechnen.
Zurück zum Abenteuersport. Als Übungsleiter bei allen Aktivitäten unseres Vereins habe ich es immer so gehalten, dass ich in riskanten Situationen versucht habe, eine Balance zwischen Angst im Sinne von Respekt, die vor übermütigem Handeln schützt und Mut im Sinne von Antrieb zu entschlossenem Handeln, der vor Angststarre, Panik und Verkrampfung schützt, zu finden,.
Dabei habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, den Schützlingen das Gefühl zu geben durch eigenes Handeln Einfluss nehmen zu können, sei es auch im Notfall nur durch Zurufen einer wenig differenzierten Handlungsanweisung wie: „Paddel, paddel, paddel!“.
Der Zweck wird erfüllt, das Kanu behält ausreichend Tempo, jeder Paddelschlag stabilisiert und eine Kenterung wird vermieden. Unten im Kehrwasser angekommen, hat der Paddler das berechtigte Gefühl es aus eigener Kraft geschafft zu haben.
In der aktuellen Krise könnte eine solche Anweisung ein „Abstand, Abstand, Abstand!“ sein. Mehr kann ein medizinischer Laie vielleicht nicht tun, aber damit tut er für sich und alle andere unglaublich viel.
Kommen wir nochmals zu den Stimmen der Verharmloser zurück, zu denen ich mich auch eine Zeit lang gezählt habe. Zu den Zahlen, die aktuell schon nahelegen, dass es schlimmer ist, als in starken Grippejahren, kommen zwei wesentliche Unterschiede:
1. Das Virus ist neu, kein Mensch besaß vorher ein darauf trainiertes Immunsystem. Das macht die Folgen aktuell so schlimm. In ein paar Jahren wird uns das SARS-CoV-2 wahrscheinlich nur noch genau so viel Ärger bereiten, wie die anderen bereits bekannten Coronaviren, von denen es einige gibt und die fast immer nur kleine Infekte auslösen. Ein Impfen wird dann vielleicht so wenig nötig sein, wie heute ein Impfen gegen den Schnupfen.
Aber historisch ist es so, dass den von Europäern eingeschleppten und für Europäer völlig harmlosen Viren ganze Bevölkerungsteile der amerikanischen Ureinwohner zum Opfer gefallen sind, die vorher noch keinen Kontakt zu diesen Viren hatten.
2. Das Virus löst bei einem größeren Anteil von Menschen (meist Alte und Vorerkrankte) eine problematische Gesundheitssituation aus, die oft nur durch intensivmedizinische Behandlungen geheilt werden kann, was zum Stresstest aller Gesundheitssysteme in allen stark betroffenen Ländern geführt hat oder führen wird.
Höchst wahrscheinlich sind in Italien auch durch Epidemien von bekannten Grippeviren (zu) viele Menschen gestorben, aber die aktuellen Zahlen (und Bilder) sprechen eine deutliche Sprache.
Zurück ins Kanu: Ja, die zu meisternde Stromschnelle wird ein Kracher, aber Paddel fest in die Hand und dann mutig los – wir schaffen das!
Weil ich mich selbst im Wildwasser ungern auf ein reines „Paddel, paddel, paddel!“ verlasse, habe ich mir mit der Zeit immer mehr Wissen und technischen Vermögen angeeignet. Ich mag es in Outdoor-Situationen genauso wie in der aktuellen Situation, das Gefühl zu haben, selbst agieren zu können und nicht nur getrieben zu werden.
Dazu bedarf es aber beim Paddeln oder Klettern einem Mindestmaß an körperlicher Fitness, das Wissen um und Beherrschen von benötigten Techniken und Taktiken.
Übersetzt ins Coronageschehen heißt das, wir müssen Konsequenzen aus dem vorhandenen Wissen ziehen.
Denn es lässt sich schon jetzt eine klare Lehre aus den Berichten der Ärzte und den vorliegenden Daten ziehen: Bedroht sind hauptsächlich Menschen mit Problemen mit der Immunabwehr. Ein gutes Immunsystem bietet zusätzlichen Schutz. Bitte nicht falsch verstehen, damit keine neuen Fake-News in die Welt gesetzt werden. Auch das beste Immunsystem verhindert keine Infektion und verhindert auch nicht, dass Viren weitergegeben werden, aber es kann beim Einzelnen verhindern. dass aus einer Infektion ein schwerer Verlauf wird.
Deshalb habe ich beschlossen, dass ich das in den Medien viel beschworene Risiko eingehe „teuren Urin zu produzieren“. Ich versuche schon seit Wochen meinen Vitamin-D-Spiegel anzuheben (die Sonne wird uns allen helfen, wenn wir unsere verbliebenen Ausgangsmöglichkeiten und das gute Wetter nutzen) und meine tägliche Dosis an Vitamin C zu erhöhen. Daneben gibt es noch viele andere Stoffe, die nachweislich anti-virale Wirkung haben und oft lecker schmecken, wie etwas ein Smoothie aus Obst und frischem Ingwer, mit einem Teelöffel Kurkuma, einer Prise Pfeffer (das erhöht die Verfügbarkeit und Wirkung des Curcumin), einer kräftigen Prise Ceylon-Zimt und gerne auch etwas Vitamin-C-Pulver. In vielen Gewürzen und Kräutern stecken ungeahnte Kräfte. Daneben ist es dringend angeraten, die Versorgung mit frischen Lebensmitteln zu erhöhen oder hoch zu halten.
Prof. Dr. Spitz hat das heute sehr gut zusammengefasst. (Hier könnt ihr das nachlesen.)
Und zum Schluss ein letztes Mal ins Kajak.
Ich bin zwar berufsbedingt oft der Führer von Kanugruppen, bin aber in den vielen Kanujahren auch schon oft genug erfahrenen Kanuten hinterher gepaddelt. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass es zum einen viel besser klappt, viel sicherer ist und viel mehr Spaß macht, wenn man sich als gutes Team auf dem Gewässer bewegt, aber auch dann, wenn man eine/n Vorfahrer*in hat auf den/die man sich verlassen kann.
In der aktuellen Situation habe ich den Eindruck, dass wir Deutschen im großen Ganzen ein gutes Team sind und unsere Regierenden uns gut leiten. Auch wenn es mal Unterschiede zwischen Bund und Ländern gibt, kann man doch sagen, dass die Groko jetzt in der Krise das macht, was man erwarten darf: Handeln und nicht streiten. Und dass die Landesmütter und -väter sich bemühen für ihre Bundesländer das Optimum zu tun, aber auch daran denken, dass Deutschland gemeinsame Regeln haben muss. Der europäische Gedanken ist etwas in den Hintergrund getreten, aber die aktuellen Hilfsangebote des Saarlandes und Baden-Würtembergs an die Region Grand Est in Frankreich und Materiallieferungen an Italien machen mich optimistisch, dass „Gemeinsam sind wir stärker“ auch hier die Oberhand gewinnt.
Unsere Regelungen sind freiheitlicher als in China und ich bin froh, dass sie so getroffen wurden, denn sie mindern viele andere Gefahren, die zu befürchten wären, wenn man uns alle jetzt in den Wohnungen einsperrte. Aber es verlangt nun einiges an Selbstdisziplin von uns, uns dieser Freiheiten als würdig zu erweisen und die Krise gemeinsam zu meistern.
Mein guter, alter Deutschlehrer pflegte immer zu sagen: „Pünktlichkeit ist Höflichkeit, meine Damen und Herren!“. Aktuell würde er bestimmt sagen: „Abstandhalten ist Höflichkeit!“. So pervers das erscheinen mag, seine Zuneigung zu anderen Menschen zeigt man aktuell mit Abstand halten und nicht mit einem Händedruck oder einer Umarmung.
Und ganz neue wissenschaftliche Studien haben zeigen können, dass ein Lächeln ohne Wertverlust Distanzen von mehreren Metern problemlos überwinden kann, sich sogar per Mail und Brief übertragen lässt – wirklich :-).
In diesem Sinne, bleibt gesund und vor allem munter – ein Lachen hie und da kann nicht schaden (und soll ja auch das Immunsystem stärken).
Herzliche Grüße
Bernd
Machtlosigkeit der Einzelnen -
oder: Klimakatastrophe - was kann ich als Einzelne*r da tun?
Im Deutschen gibt es die Redensart vom Tropfen auf den heißen Stein. In Frankreich sagt man: „… comme une goutte d'eau dans la mer ...“, also wie ein Tropfen Wasser im Ozean. Das scheint auf den ersten Blick das Gleiche zu bedeuten und dennoch sind es in Nuancen andere Bilder und für meine Argumentation bevorzuge ich das Bild, wie es das Französische zeichnet. Denn was bleibt vom Wassertropfen auf dem heißen Stein? Er verdampft ohne den Stein merklich kühlen zu können. Der Tropfen besteht aus Wasser, weshalb er nie Teil des Steins sein wird und kann.
Anders verhält es sich mit dem Wassertropfen im Meer. Auch da scheint die Wirkung eines einzelnen Tropfens nichts zu bewirken, aber dennoch bleibt ein Tropfen sauberes Wasser in einem Meer aus Schmutzwasser ein sauberer Tropfen Wasser. Er verdunstet nicht und wird, wenn auch nur mit feinsten Instrumenten messbar, das Meer voll Schmutzwasser ein wenig sauberer machen.
Das gefällt mir, das hat nicht die Aussichtslosigkeit des Tropfen-auf-dem-heißen-Stein-Bildes. Und es mahnt uns zur Verantwortung. Wir alle sind das Problem, wenn wir Schmutztropfen sind und wir alle sind die Lösung, wenn wir Tropfen sauberes, klares Wasser im Ozean sind.
Was heißt das konkret?
Lassen wir uns nicht als naiv bezeichnen, weil wir Hoffnung haben, etwas zum Besseren wenden zu können.
Es ist nicht naiv, sondern schlicht und einfach richtig, wenn ich sage, dass es ohne Waffen und Soldaten keine Kriege gibt. Die Geschichte hat doch gezeigt, dass es viel naiver ist, zu glauben, man könne mit Gewalt Gewalt bekämpfen. Das dauernde Auge um Auge hat zu ganz viel Blindheit geführt.
Es ist nicht naiv zu denken durch Suffizienz, also einfach den Verzicht auf viele, meist völlig unnütze Dinge, könne man Großes bewirken. Unser aktuelles Wirtschaftssystem, das nur durch Konsum und noch mehr Konsum am Leben gehalten werden kann, ist hochgradig pervers im wörtlichen Sinne. Es schafft Arbeit, die uns nicht glücklich macht, aber die Zeit für sinnvolle Beschäftigung raubt; es plündert im rasanten Tempo die weltweiten Ressourcen und es lässt uns in einem Schnellzug mit immer höherer Geschwindigkeit in den Abgrund rasen.
Wer ist naiv?
Das kleine Mädchen in Stockholm mit dem Schild vorm Bauch?
Oder sind es Menschen, die immer noch denken, es könne ein Weiter so geben und alles ist und würde gar nicht so schlimm?
Und dann gibt es leider noch eine weitere Gruppe: Das sind die, die uns glauben machen wollen, wir seien naiv, wenn wir Wandel und Veränderung fordern. Die, die uns sanft einlullen mit allerlei nettem Konsum, einem tollen Urlaub an fremden Orten, einem schicken Auto, dem wöchentlichen Sportspektakel, also „Brot und Spiele“, so wie es die Mächtigen schon immer taten.
„Warum schweigen die Lämmer?“ fragt Reiner Mausfeld in seinem Buch.
Ich weiß es nicht. Wir hätten durch das Internet - bei allen Risiken und Ablenkungen -die Chance uns schlau zu machen und hinter die Fassaden zu blicken, wie bisher noch nie in der Menschheitsgeschichte.
Also Arsch hoch, Augen auf, lesen, sich informieren, Handlungsstrategien entwerfen und beginnen sie umzusetzen.
Jeder Tropfen zählt und wir alle zusammen sind das Meer.
Sind Autofahrer Mörder?
Schon vor längerer Zeit habe ich voller Schrecken lesen müssen, dass weltweit jährlich über eine Million Menschen im Straßenverkehr sterben. Das sind nicht nur rasende Autofahrer, sondern auch Kinder, die einfach nur Opfer sind. In den letzten Monaten - spätestens seit den betrügerischen Machenschaften des VW-Konzerns kommen nun auch immer mehr Daten ans Licht, wie schädlich Autoabgase sind und es gehen auch hier schrecklich hohe Opferzahlen um.
Ich habe dann in einem kleinen Gedanken-Experiment überlegt, wie es wohl wäre, wenn in einer Welt ohne Autos plötzlich jemand mit dieser Erfindung käme und in einer öffentlchen Anhörung alle Vor- und Nachteile darlegen müsste. Die Vorteile hätten sich mit hoher individueller Mobilität und Statussymbolik schnell erschöpft, die Liste der Nachteile wäre wohl sicher etwas länger: Tote und Verletzte durch Unfälle, Tote und Kranke durch Lärm und Abgase, Versiegelung gigantischer Flächen, Strukturwandel zu Ungunsten armer und alter Menschen und sicher noch einiges mehr.
Na, wie würde wohl die Entscheidung ausfallen, wenn jemand für eine solche Maschine eine Betriebserlaubnis beantragen würde?
Nun hat Franz Alt auf seiner überaus lesenswerten Sonnenseite einen Kommentar dazu geschrieben, der mir aus der Seele spricht und den ich deshalb hier gerne zitieren möchte:
"Sind Autofahrer Mörder?
Nach 1945 haben Autofahrer weltweit mehr als 100 Millionen Menschen getötet. Das sind doppelt so viele wie im Zweiten Weltkrieg ermordet wurden. Sind Autofahrer Mörder? Ein Kommentar von Franz Alt
Die Geschäftsführerin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margret Chan, dazu: „Der Tribut, den tödliche Unfälle fordern, ist unakzeptabel hoch“.
In Deutschland gilt noch immer der Slogan des ADAC „Freie Fahrt für freie Bürger“. Tempolimits sind für viele Autofahrer noch immer ein Tabu. Der Preis dieser Freiheit sind etwa 700.00 Verkehrstote nach dem Zweiten Weltkrieg und mehr als 20 Millionen Verletzte allein hierzulande. Eine Dimension von „Freiheit“ ähnlich der „Freiheit“ des Waffenbesitzes in den USA. Dort werden pro Jahr etwa 30.000 Menschen erschossen. Diesen Vergleich stellte soeben die TAZ an.
Wegen eines der Verkehrstoten in Deutschland wurden soeben in Berlin in einem aufsehenerregenden Prozess zwei Männer zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt. Als Mörder. Sie waren bei einem illegalen Autorennen mit 160 Kilometern in der Stunde über den Kurfürstendamm in Berlin gerast und hatten dabei einen Unbeteiligten getötet.
Das Auto wurde höchstrichterlich als das benannt, was es war: Eine tödliche Waffe.
Bisher wurde das Auto als des „Deutschen liebstes Kind“ verniedlicht. Hinter dieser Propaganda-Floskel stand der ADAC und die geballte deutsche Automobil-Wirtschaft mit einer starken Lobby sowie ihre Helfer in Parlamenten und Regierungen. 700.000 Tote und über 20 Millionen Verletzte wurden dabei als Kollateralschäden in Kauf genommen. Dem Götzen Auto wurde ein hoher Blutzoll dargebracht – ähnlich wie früher Göttern Todesopfer dargebracht wurden.
Am 23. Mai 1949 wurde das Deutsche Grundgesetz verabschiedet und die Todesstrafe abgeschafft. Aber auf unseren Straßen haben wir sie seither in riesigem Umfang erst richtig eingeführt. Die Waffe des US-Bürgers ist des Deutschen Auto. Und beides wurde und wird als Voraussetzung von Freiheit verkauft.
Das Berliner Urteil wirft – so die TAZ - die Frage auf, ob die Freude am Autofahren wichtiger ist als die Freude am Leben? In den USA erwies sich bisher die Waffenlobby stärker als alle Vernunft. Ob nach diesem Urteil die deutsche Autoindustrie etwas demütiger und nachdenklicher argumentiert als bisher, wo der Slogan galt:“ Nur Fliegen ist schöner“?
Wer öffentliche Verkehrsmittel benutzt statt ein Auto, fährt um den Faktor 70 mal sicherer und belastet die Umwelt um etwa 80% weniger. Das Gemetzel auf unseren Straßen nennen wir Verkehr. In Wirklichkeit ist es ein Dritter Weltkrieg gegen uns selbst und gegen die Natur.
Ein positives Beispiel für eine alternative Entwicklung nennt der WHO-Bericht auch: Die Stadt Freiburg. Nach der Errichtung von zahlreichen „Tempo 30-Zonen“ konnte die Zahl der Verkehrstoten und Verletzten stark reduziert werden. 24% aller Wege werden hier zu Fuß, 28% mit dem Fahrrad, 20% mit öffentlichen Verkehrsmitteln und nur noch 28% mit dem Auto zurückgelegt. Oder Amsterdam: Hier kommen auf 800.000 Fahrräder noch 263.000 Autos. Autofahren ist heilbar."
Quelle: www.sonnenseite.com - Franz Alt
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Gedanken zum Jahresende 2016
Gäbe es auf der Welt nur das Thema „DVA“, dann könnte ich jetzt einfach schreiben: „2016 war ein gutes Jahr.“
Aber die Welt dreht sich nicht wirklich um den DVA und dann müsste man – besonders auch nach der aktuellen Tragödie in Berlin – schreiben: „2016 war ein furchtbares Jahr.“
Während sich in Syrien und an anderen Kriegsschauplätzen dieser Welt nichts zum Besseren zu ändern scheint, entsteht in Europa (in der Türkei) gerade eine Diktatur und in den USA haben sich die verzweifelten Bürger bei der Wahl zwischen „Not und Elend“ für das Elend entschieden, das in Gestalt von Schmalzlocke Donald auch für den Rest der Welt zur schlimmen, ernst zu nehmenden Plage werden könnte.
In unserer zweiten Vereinsheimat, in Frankreich, könnte mit Madame Le Pen eine Nationalistin zur Präsidentin gewählt werden und bei uns in Deutschland hören auch immer mehr Verängstigte und Verzweifelte nur noch die Rufe der Populisten und ich fürchte dass Herr Höcke mit seiner Idee vom 30%-Potenzial der AFD nur ein klein wenig zu optimistisch ist.
Nach meiner Meinung ist diese unbegründete oder berechtigte Angst, diese teils sehr reale Not und diese ganze Unsicherheit – weltweit – eine Folge eines unmenschlichen Wirtschaftssystems, das zur Ersatzreligion geworden ist, dem Kapitalismus. Er treibt uns dazu die Umwelt auszubeuten bis an und möglicherweise über die Grenzen des Erträglichen. Vor Gott Mammon heit es auf die Knie zu gehen.
Da ist es nur wenig erbaulich, dass es sehr bedeutende Kapitalismuskritiker gibt, wie etwa Papst Franziskus, der sich nicht nur im Kleinwagen kutschieren lässt, in einer kleinen Wohnung lebt und mit den kleinen Leuten in der Mensa speist, sondern auch erkannt hat, warum die vielen Stellvertreterkriege geführt werden müssen – um dieses System im Endstadium am Leben zu erhalten. Und der dies dann sogar noch ausspricht. Aber dafür hat ihm dann ja das Haus Burda 2016 einen Bambi verliehen und ihn damit in eine Reihe mit Heroen wie Florian Silbereisen und Bastian Schweinsteiger gestellt. Ehre, wem Ehre gebührt.
Und gegen die wertarme, kapitalistische Lebensweise begehren dann Gläubige anderer Religionen auf und wollen ihre Machtansprüche durchsetzen, um die Deutungshoheit zurück zu gewinnen. So verstehe ich das Erstarken eines expansiven Islam, der die Welt zwangsbekehren möchte. Dass sich da Religion mit Politik vermischt und Untergruppen stärker bekämpft werden als die Un- oder Andersgläubigen, haben wir im ehemals extrem expansiven Christentum auch zur Genüge erlebt.
Ich persönlich versuche dennoch tolerant zu sein und bin für Religionsfreiheit – auch wenn ich Volker Pispers Meinung teile und mir wünsche, dass wir alle religionsfrei wären. Doch dies muss eine Utopie bleiben, wir Menschen schaffen es wohl nur durch Religionen – oder was wir dazu machen - überhaupt in Gruppengrößen von mehr als 150 Individuen zusammen zu leben, ohne uns die Köpfe einzuschlagen.
Wichtig wäre es, ein für alle akzeptables Wertesystem zu finden, das es uns erlaubt regional, national und global in Frieden zu leben. Kant hatte da einen interessanten Ansatz und die Aufklärung hat das böse Gesicht des mittelaterliches Christentums gewandelt.
Leider hat der Kapitalismus da nicht viel zu bieten, was ein friedliches Miteinander befördern könnte. Ich sehe nicht, wie das der freie Markt regeln könnte. Und die Annahme, es würde allen besser gehen, wenn wir nur die Marktkräfte sich frei entfalten ließen, werden nicht nur die Angehörigen der Opfer der zerstörten Textilfabrik in Bangladesh als völlige Fehleinschätzung bewerten.
Friedliches Miteinander in kleinen, wie in großen Gruppen, braucht Kooperation und nicht Konkurrenzkampf. Und Zusammenarbeit braucht Vertrauen.
Aber mit der Angst wächst das Misstrauen. Nach dem Anschlag von Berlin waren sie dann aus bayerischen Unionskreisen und von der anderen AfD sofort wieder dabei Anschuldigungen zu äußern und damit Misstrauen zu säen. Dann sieht man in Reportagen, dass bei uns der Absatz von Schreckschusspistolen nahezu explosionsartig gestiegen ist. Wären andere Waffen erlaubt, würden wir uns wohl schnell auf den Weg zu amerikanischen Verhältnissen machen. Aber dort ist die häufigste Todesursache für junge Männer, gerade der Tod durch eine Kugel aus diesen Waffen.
Michael Moore hat es schon vor Jahren gezeigt, während auf der amerikanischen Seite der Grenze fast jeder bewaffnet ist, alle Häuser verrammelt sind und es dauernd Morde und Einbrüche gibt, ist auf der kanandischen Seite keine Tür abgeschlossen, fast niemand bewaffnet und der örtliche Polizeichef muss die Akten zu Rate ziehen, um sich überhaupt an das letzte Gewaltverbrechen zu erinnern.
In Indien gibt es einen Ort, in dem kein Haus überhaupt eine Tür hat, also nichts das man schließen oder gar abschließen könnte. Einbruchsquote: Null! Ist auch schwer, ein Schloss zu knacken, das es nicht gibt, könnte man jetzt witzeln, aber vielleicht ist es einfach gegenseitiges Vertrauen, das zu soviel Ehrlichkeit führt.
Vielleicht müssen wir alles mal von der anderen Seite denken, damit es Sinn gibt.
Wir müssen versuchen die verfahrene Situation mit Vertrauen zu retten. Und dieses Vertrauen muss immer als Vorschuss ausgezahlt werden – Ergebnis ungewiss, aber Hoffnung besteht.
Wenn wir dagegen weiter auf dem Weg des Misstrauens und der Angst gehen, gehen wir weiter auf dem Weg von Gewalt und Krieg – und welchen Preis man dafür zahlen muss, haben wir in Deutschland schon überaus reichlich erlebt.
Die einzig wahre Weihnachtsbotschaft muss heißen: Nehmen wir das Gebot der Nächstenliebe endlich ernst, denn Liebe basiert auf Vertauen. In diesem Sinn wünsche ich uns allen - weltweit - etwas mehr Licht und deutlich weniger Dunkel im Jahr 2017.
Thema Spitzensport
Ich habe mir erlaubt zum Artikel im Pfalzsport 03 2016 Seite 22 einen Leserbrief zu schreiben, der komplett im Pfalzsport 04 2016 auf Seite 26 abgedruckt wurde.
Vielleicht habt ihr Lust mir darüber eure Meinung mitzuteilen.
Ich würde mich über Rückmeldungen freuen.
Hier der Leserbrief:
Sehr geehrter Herr Schwarzweller,
vielen Dank für den Artikel über den Spitzensport im Land, den ich mit großem Interesse gelesen habe.
Sie bitten zum Ende darin, dass die Leser Ihnen schreiben sollen, was ich hiermit gerne tue.
Vorab: Ich bin ein überzeugter Breiten- und Gesundheitssportler, weil ich denke, dass man den Wert von Breiten- und Gesundheitssport gar nicht hoch genug einschätzen kann. Aktuell ist das "Geo kompakt" zum Thema Sport und Gesundheit auf dem Markt und bestätigt meine gewonnenen Erkenntnisse und Ansichten in für viele gut lesbarer populärwissenschaftlicher Form.
Was hat dies nun mit Spitzensport zu tun?
1. Spitzensport ist Hochleistungssport und hat leider keinen der gesundheitsfördernden Effekte des Breitensports. Hochleistungssport ist nahezu das Gegenteil von Gesundheitssport. Polemisch gesagt:
"Wir riskieren die Gesundheit junger Menschen, indem wir sie gleichsam als Galdiator(inn)en zum Lustgewinn für Fernsehzuschauer, Nationalstolze, Wettverrückte oder Verbandsfunktionäre zum Kampf antreten lassen".
2. In den Spitzensport fließen unglaubliche Summen an öffentlichen Geldern, teils durch direkte Zuschüsse und Spitzensportförderung, in viel höherem Maße aber über für keinen von uns (auch wenn er/sie Gegner des Spitzensports ist) vermeidbare Unkosten. Hier sind die Fernsehgebühren zu nennen, aber vor allem die Unsummen, die über Sponsoring bei jedem Kauf sehr, sehr vieler Artikel in den Spitzensport fließen.
Und über den Einsatz dieser Mittel hat die Öffentlichkeit keinerlei Kontrolle - die Ungerechtigkeiten sind leicht erkennbar: Spitzensportler, die in jüngsten Jahren schon Multimillionäre sind im Bereich Fußball und Spitzensportler, die sich die Fahrten/Flüge zu ihren
Wettkämpfen nicht leisten können (Beispiel einer mir bekannten Rudererin). Die hässliche Fratze des Kapitalismus zeigt sich nirgends deutlicher als im Sport-Sponsoring.
Dies alles sollte den Menschen bewusst gemacht und sehr kritisch hinterfragt werden.
Ich gebe gerne zu, dass Spitzensport auch eine Sogwirkung und damit eine positive Wirkung auf den Breitensport hat. Nennen wir als Beispiele einfach mal den Tennisboom zu Becker-Graf-Zeiten oder den Radboom zu Jan Ulrichs Vor-Doping-Zeiten. Aber es darf gefragt werden, ob das die hohen Kosten für die Gesellschaft und die als Invaliden endenden Spitzensportler (und das sind nach meinen Recherchen nicht wenige) rechtfertigt. Wären da öffentliche Mittel im Sinne eines Gesundheits- und Wohlfühlgewinns der gesamten Gesellschaft nicht viel besser und effektiver einzusetzen?
Sie machen zu recht kritisch auf die verschiedene Stellung in der Förderung von olympischen und nicht-olympischen Sportarten aufmerksam. Ist Ringen plötzlich weniger wert und damit weniger förderungswürdig, weil es nicht mehr olympisch ist oder ein Beispiel aus meiner Sportart: Wieso fließen Mittel in die Förderung von Kanurennfahrer(inne)n, wenn die auf flachem Wasser ihre Rennen bestreiten, aber nicht, wenn es sich um nicht-olympischen Wildwasserrennsport handelt?
Und abschließend ein Wort zum Thema Olympiagegner: Ich denke, dass es geradezu die Pflicht eines jeden Bürgers eines Landes oder einer Stadt ist durch ein "Nein" zu olympischen Spielen im eigenen Land/Stadt klar zu machen, dass es so nicht weitergehen darf. Spitzensport ist zur Spielfläche von Spekulanten, Zockern und korrupten Regierungen und Funktionären geworden, denen weder das Wohl der Bevölkerung noch das der Sportler irgendetwas bedeutet.
Vielleicht wäre hier ein grundsätzliches Umdenken von Nöten: Es ist jedem Sportler frei gestellt sich für den Spitzensport zu entscheiden und damit seine Gesundheit zu riskieren, öffentlich gefördert sollte aber der Sport werden, der als Gesundheits- und
Breitensport nachweisliche und maßgebliche Beträge zum Wohl Einzelner und der ganzen Bevölkerung beitragen kann.
Ich bitte Sie die Ausführlichkeit zu entschuldigen, aber ich habe mich schon kurz gefasst und fürchte, dass dennoch zu meinen wahrscheinlich sehr provokanten Ideen weitere Erläuterungen nötig wären.
Mit sportlichen Grüßen
Bernd Dörr
Thema: CO2-Ausstoß
Wie ihr alle auf der Seite Naturschutz lesen könnt, machen wir uns in der Vereinsarbeit so unsere Gedanken, wie wir die "Erlebnissport-bedingten-CO2-Emissionen" gering halten können, um dann am Jahresende so wenig wie möglich kompensieren zu müssen, denn natürlich sind nicht emittierte Schadstoffe viel besser, als kompensierte.
Wenn man dann den Bereich Fahrleistung der Vereinsbusse anschaut, kommt da leider eine erhebliche Menge an Emissionen zu stande. Natürlich war beim Kauf unseres Nissan auch das ein Argument, denn der Primastar ist laut Herstellerangaben in seiner Klasse einer der Kleinbusse mit dem geringsten Verbrauch und damit CO2-Ausstoß. Nur muss man jetzt leider lesen, dass diese Angaben gelinde ausgedrückt "nicht wirklich sehr zuverlässlich" sind oder deutlicher ausgedrückt: Die getricksten Angaben der Hersteller sind in einer Art falsch, dass dies bereits eventuell den Tatbestand des Betruges erfüllt. Die DUH (Deutsch Umwelthilfe e.V.) prüft, ob und wen konkret sie verklagen kann.
Um euch das anschaulich zu machen lege ich euch das Weißbuch vom November 2016 ans Herz:
FROM LABORATORY TO ROAD
A 2016 UPDATE OF OFFICIAL AND ‘REAL-WORLD’ FUEL CONSUMPTION AND CO2 VALUES FOR PASSENGER CARS IN EUROPE
von Uwe Tietge, Sonsoles Díaz, Peter Mock, John German, Anup Bandivadekar (ICCT), Norbert Ligterink (TNO)
Hier im Netz zu finden: ICCT_LaboratoryToRoad_2016.pdf
Damit ihr das nicht alle alles lesen müsst, möchte ich euch zumindest drei Grafiken daraus hier vorstellen und etwas kommentieren.
Die EU verlangt ja, dass der Flottenverbrauch gesenkt wird und wenn es auch die (vor allem deutsche) Automobillobby immer wieder schafft Vorgaben aufzuweichen und Fristen zu verschieben, so bleibt die Richtung aber klar: PKWs sollen weniger CO2 emittieren. Um dies zu erreichen, muss man sparsame Motoren bauen - dies gelingt seit Jahren sehr gut.
Allerdings sollte man dann schlauerweise diese sparsamen Motoren in Fahrzeuge einbauen, die ihren Zweck erfüllen, ein paar Personen (eventuell mit Tasche oder Koffer) von A nach B zu bringen. Dann wäre da auch schon viel erreicht worden.
Wenn man aber diese sparsamen Motoren zu einem immer höheren Leistungsvermögen aufblasen muss, um den Herren den Schwanzvergleich in immer leistungsstärkeren Fahrzeugen zu ermöglichen und die Damen im Familienpanzer die Kinder zur Schule und sich selbst Einkauf fahren lässt, wird es schwer den realen CO2-Ausstoß zu reduzieren.
Die folgende Grafik zeigt, wie sich der CO2-Ausstoß in den letzten Jahren entwickelt hat:
Leider ging der Realausstoß nur sehr minimal zurück und ist im Grunde seit 2010 nahezu unverändert bei knapp 170 g/km. Zum Glück ist das bei den Daten der Hersteller nicht so, denn hier sehen wir eine kontinuierliche Reduktion der Emissionen von 170 zu 120 g/km von 2000 bis 2016. Toll! So hält die EU still.
Aber wie kommt die Industrie zu solchen Zahlen?
Dass es Unterschiede im Realverbrauch und den Herstellerangaben gibt, ist sicher nicht zu vermeiden und auch, dass der Realverbrauch immer etwas höher ist, als der Testverbrauch der Hersteller, sei vergeben und verziehen. So sind die Unterschiede bei den Daten von 2001 als "lässliche Sünden" wohlwollend vergeben, aber nicht vergessen.
Denn nur wenn man weiß, dass 2001 der Unterschied zwischen Herstellerangaben und realem Emissionen bei 8% lag, lässt sich die Dreistigkeit der aktuellen Manipulationen erkennen, bei denen die Abweichungen nun im Schnitt bei 40% liegen, worüber sich die ach so umweltfreundlichen Hybrid-Fahrzeug nochmals deutlich erheben, wie die folgende Grafik zeigt:
Und als ob das nicht genug wäre, gibt es - wie sollte es anders sein - bei den Herstellern besonders toller Produkte natürlich nochmals höhere Abweichungen. Aber wer seine Q-, M-, G- oder sonstwie genannten Panzer vermarkten und die EU besänftigen will, der muss halt noch mal etwas dreister sein.
Auch hierzu gibt es im Weißbuch eine tolle Grafik:
Man erkennt wunderbar, wie die Hersteller mit verbrauchsarmen Flotten, die auch noch das ein oder andere vernünftige Fahrzeug bauen, es einfach nicht nötig haben, in dem Maße zu bescheißen, wie die Panzer- und Rennwagen-Produzenten. Das heißt nicht, dass sie nicht schummeln, sie sind nur einfach nicht ganz so dreist, weil sie nicht so dreist sein müssen.
Und letztlich bei allem Ärger: Wären wir Verbraucher nicht die nützlichen Idioten, wäre es lange aus mit Mercedes, BWM, Audi und Co - jedenfalls, bei der aktuellen Produktpalette. Bei mir persönlich ist der geringe Verbrauch und damit niedrige CO2-Emissionen ein sehr wesentliches Kaufskriterium gewesen. Beim Kauf eines Diesel mit Euro-6-Norm hat man uns wohl aber mit gefälschten Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen abgelinkt ...
Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen deutschen Automobilproduzenten und der italienischen Mafia?
Oh, ich weiß: Die Mafia hat keine Rückendeckung von Herrn Dobrindt.
(Quellenangabe: alle Grafiken aus oben genannter Publikation)


