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Corona und andere Arten zu sterben

 

An den Folgen einer Infektion mit dem SARS-CoV2  sterben weltweit viele Menschen. Das können auch alle Kritiker der ergriffenen Maßnahmen und Leugner der Gefährlichkeit nicht widerlegen. Wie hoch die Zahlen genau sind, kann aber niemand seriös beantworten. Ein Blick auf die Graphen auf Euromomo zeigt, dass es in Europa einen deutlichen Peak in den Wochen 10 bis 18 dieses Jahres gab. Seit der Woche 22 liegen die Zahlen wieder im Normbereich. In Erwägung der vielen und teilweise vorher unbekannt strengen Maßnahmen, die ergriffen wurden und zum Teil noch gelten, muss man sicher von einer großen Gefahr, die vom Virus ausgeht, sprechen.

Diese Maßnahmen  hatten und haben aber auch enorme Schäden angerichtet und welche Taktik sich letztlich als die erfolgreichste (größte Wirkung bei geringsten Schäden) herausstellen wird, ist meiner Meinung nach noch völlig offen. Sicher werden weltweit sehr viele Menschen an oder im Zusammenhang mit dem Virus gestorben sein.

Aber Menschen sterben auch aus anderen Gründen. Wolfgang Schäuble hat vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass der Schutz des Lebens nicht das einzige Grundrecht ist, das es zu verteidigen gilt. So halte ich es für absolut richtig und notwendig, dass man alle Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus kritisch auch auf ihre "Nebenwirkungen" beleuchtet. Ich habe keinerlei Verständnis für besoffene Gewalttäter, wie in Stuttgart oder Frankfurt, aber ich kann sehr gut nachvollziehen, dass - vor allem junge Menschen - sich nach Feiern, Party und einer sorgenfreien Ausgelassenheit sehnen und alte Menschen in Heimen gerne wieder engen Kontakt zu ihren Lieben hätten. Corona hat uns aktuell sehr viel genommen und die Maßnahmen haben sehr viel zerstört.

Dann fragt man sich, wie sieht es in anderen Bereichen aus. Wieso wird da nichts unternommen?

Beispiel 1:
Verkehrstote in Deutschland, dem Land ohne Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn.
Es ist schwer, verlässliche Zahlen zu finden, manche Befürworter gehen von 400-500 zu rettender Menschenleben durch Tempo 130 auf deutschen Autobahnen aus. Es gibt einen Modellversuch: Auf dem untersuchten Abschnitt der A24 in Brandenburg starben den Jahren 1996 bis 2002 ohne Tempolimit 38 Menschen. Seit der Beschränkung auf 130 km/h im Jahr 2003 halbierte sich diese Zahl auf 19 Tote. Es könnten also sicher viele Menschenleben gerettet und Verletzungen vermieden werden, wenn wir nur bereit wären, das umzusetzen, was eine Mehrheit der Deutschen schon lange wünscht: Ein Tempolimit auf den Autobahnen. Der französische Bürgerrat (ein temporäres Gremium bestehend aus 150 zufällig ausgewählten Bürger*innen) hat sogar Tempo 110 für Frankreich gefordert (auch wenn da Klimaschutzgedanken die Hauptrolle spielten).
Halten wir fest: Eine Mehrheit wäre dafür, aber um die Freiheitsrechte Einiger (hier das Recht sich so schnell wie man möchte auf Autobahnen zu bewegen) nicht zu verletzen, nimmt man eine Zahl an Toten und Verletzten in Kauf die mit großer Sicherheit im vierstelligen Bereich liegt.

Beispiel 2:
Tote durch Luftverschmutzung ausgehend von Kohlekraftwerken.
Dass alle Kohlekraftwerke (weltweit) abgeschaltet werden müssen, um dem Klimawandel zu begegnen ist klar. In Deutschland hat man sich auf einen Ausstiegskompromiss geeinigt, der dieses Ende im Jahre 2038 vorsieht. Das ist noch sehr lange hin, schlecht für das Klima und kostet dennoch Milliarden an Entschädigungen für die Industrie. Was weniger bekannt ist, es dürften nach der Studie „Emissionsgrenzwerte für Kohlekraftwerke: Gesundheitliche Folgen der vorgeschlagenen Grenzwerte in Deutschland“, die die Organisation ClientEarth in Auftrag gegeben hat, durch die noch laufenden Kraftwerke viele Milliarden an Kosten für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft entstehen und vielen Menschen einen vorzeitigen Tod bringen.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie sind: Dass die für den Zeitraum 2022 bis 2038 von der Bundesregierung vorgeschlagenen Grenzwerte für Emissionen aus Kohlekraftwerken zu schätzungsweise bis zu 26.000 vorzeitigen Todesfällen führen würden und die Volkswirtschaft und das Gesundheitssystem durch die gesundheitlichen Auswirkungen im Zeitraum 2022 bis 2038 mit bis zu 73 Milliarden Euro belasten würden.
Setzte man die besten verfügbaren Techniken zur Schadstoffreduktion ein, könnten die Todesfälle um 65% reduziert (das wären 16.900 Menschenleben) sowie die Kosten für die Allgemeinheit um ca. zwei Drittel auf 21 Milliarden Euro gesenkt werden.  Und ein früherer Kohleausstieg bis 2030 würde zu einer weiteren Halbierung führen, also nochmals ca. 10,5 Millarden Euro und 8.450 Menschenleben.
Die Parallelen zu Corona sind deutlich: Durch Maßnahmen können Menschenleben gerettet werden, auch in diesem Fall wohl eher Leben von Menschen mit Vorschädigungen und älteren Menschen.

Was sollen die beiden Beispiele zeigen?
Um Rechte von Teilen unserer Gesellschaft zu schützen (hier die Rechte so schnell wie's beliebt zu fahren und aus schmutzigen Kraftwerken Gewinne zu erzielen), werden Rechte anderer Teile der Gesellschaft (hier die Rechte auf körperliche Unversehrtheit und Gesundheit) geopfert.

Alles eine Frage der Abwägung!

Ich bin in der Corona-Krise gerne bereit für die Gesundheit von vorerkrankten und alten Menschen Einschränkungen meiner Freiheitsrechte hinzunehmen, auch wenn ich lieber ohne Maske einkaufen gehen würde und auch mal wieder Lust auf einen Konzertbesuch hätte. Ich habe sogar Verständnis, dass unserem Verein durch die Maßnahmen fast alle möglichen Einnahmen eines ganzen Jahres verloren gingen. Aber es macht mich zornig, wenn ich erkennen muss, wie unsere seit Jahren völlig überforderte Regierung auf fast allen anderen Augen blind ist.

Zeit für einen Wechsel - dringend!

 

 

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