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Hallo liebe DVA‘ler*innen,

 

wer hätte das gedacht, noch bei unserer Mitgliederversammlung haben wir uns alle – wie üblich – mit Umarmungen begrüßt und ich habe über Rolands vorher geäußerte Bedenken und Bettys Befürchtungen gelächelt – bitte entschuldigt das.
Drei Wochen später hätten wir nicht nur unsere Mitgliederversammlung nicht mehr durchführen können, sondern wären überhaupt nicht auf die Idee gekommen uns näher als 1,5 Meter aufeinander zu zu bewegen.
So schnell kann‘s gehen.

Aber ich bin nicht alleine mit den Irrtümern. Wenn ich mir in Erinnerung rufe, was an Verlautbarungen aus dem Robert-Koch-Institut zu hören war. (Fast) alle dachten, das sei ein Problem der Chinesen oder allenfalls mancher asiatischen Länder, wie damals bei SARS und wir alle haben die unnütze Hysterie um Vogel- und Schweinegrippe nicht vergessen, die manchen wie ein Supertrick der Pharmaindustrie vorkam, mit später dann vernichteten Impfstoffen, eine Unmenge Profit zu machen.
Noch lange dachte ich, dass es sich vielleicht nur um einen Hype handelt bzw. handeln könnte, der durch bloße Aufmerksamkeitslenkung und Fehlinterpretationen entstanden ist oder - in heutigen Tagen mit Fake-News und Trollen im Netz – generiert wurde. Noch immer geistern solche Meinungen durchs Internet und die Medien.
Ich bin kein Wissenschaftler, aber ich kann ein wenig rechnen – und ich bin Abenteuersportler.

Was das mit der Bewertung der Pandemie zu tun hat?Das will ich euch gerne erklären, denn mir helfen Wechsel des Blickpunktes mein Verständnis zu fördern und/oder neue Ideen zu entwickeln.

Die meisten von uns im DVA haben schon einmal in einem Kanu gesessen, manche sind sogar schon im richtigen Wildwasser gepaddelt. Es fällt uns also (fast) allen nicht schwer uns eine Situation vorzustellen, in der wir das Wasser immer lauter rauschen hören, die Wellen sind immer größer werden, weiße Stellen auftauchen und das kleine Boot immer mehr schaukelt. Alle die dann zu viel Angst bekommen und sich der Situation nicht gewachsen fühlen, fahren ins nächste Kehrwasser und umtragen die schwere Stelle am Ufer oder brechen die Paddeltour ab - eine sehr vernünftige und nachvollziehbare Reaktion.
Aber wir waren auch schon mit dem DVA auf dem Var unterwegs und sind mit zwei großen Gruppen in die Gorges de Daluis eingefahren. Wer dabei war, wird es nie vergessen. Wer die Gorges de Daluis nicht kennt, dem sei die Besonderheit erklärt: Wenige hundert Meter nach der letzten Aussetzstelle erheben sich recht und links steile, rote Felswände und die nächsten 4 Kilometer sind eine kehrwasserarme, einzige Zwangspassage, will meinen, man muss durch - im Boot sitzend oder schwimmend.

In einer solchen Situation befinden wir uns gesellschaftlich gerade auch – nur dass wir nicht wissen, wie lang die Strecke ist, es können 5-6 Wochen sein, wenn wir chinesisch agieren oder ein Jahr, wenn wir eine andere Taktik wählen.
Damals im Beispiel wie auch heute in der Realität haben uns Fehleinschätzungen in eine missliche Lage gebracht. Und weitere Fehlinterpretationen von Daten lassen die Gefahr nur größer werden. Wenn ich einen Kanuführer nicht richtig lesen kann und meine eigenen Fähigkeiten falsch einschätze, kann das fatale Folgen haben.

Zu den Fehlinterpretationen und wichtigen Korrekturen:
Ja, es stimmt, dass in der Grippesaison 2018/19 ca. 40.000 Menschen in Europa an ganz normaler Grippe gestorben sind. Und es gibt verlässliche Quellen die von bis zu 20.000 Grippetote im Jahr für Deutschland sprechen. Aktuell (24.3.2020 - 9:00) sind in Europa bereits über 10.000 Menschen an COID-19 gestorben. Wo würden diese Zahlen (hinter denen einzelne menschliche Schicksale stehen) ankommen, wenn keine einschneidenden Maßnahmen getroffen würden.
Das macht Angst und es ist gut, dass uns das Angst macht.

Doch zurück zur Kanu-Analogie: Angst ist beim Abenteuersport eine wesentliche Voraussetzung um Gefahren zu minimieren. Ich meine damit aber eine konstruktive Angst, die uns von unbedachten Handlungen abhält, uns aber nicht zu hirnlosem, panischen Handeln treibt oder uns in komplette Angststarre versetzt – was beides vorkommen kann.
Wenn wir wissen, wir müssen eine Stromschnelle bewältigen, hilft uns panisches Handeln ebenso wenig wie Angststarre. Wir müssen die Situation möglichst gut analysieren, eine Handlungsstrategie entwerfen und dann mutig lospaddeln. Sehr gute Paddler*innen werden dann immer an der richtigen Stelle den richtigen Schlag ansetzen und unten im Kehrwasser auf die schwächeren Paddler warten, ihnen gezeigt haben, dass es machbar ist und wie man es meistern kann oder wenigstens mit motivierenden Zurufen: „Paddel, paddel, paddel!“ für die nötige Geschwindigkeit gesorgt haben. Nur das konsequente Umsetzen der ausgesuchten Strategie, eventuell mit nötigen Anpassungen, weil doch ein weiterer Rücklauf zu umfahren ist oder glücklicherweise ein gutes Kehrwasser auftaucht, bringt den gewünschten Erfolg.

Was ich damit sagen will ist folgendes:
Wir müssen in der aktuellen Situation eine der beiden Taktiken aussuchen:
Entweder mit allen Mitteln die Seuche eindämmen, also im Wildwasser mitten durch die fette Walze, dann aber mit voller Kraft und aller Konsequenz.
Bei Corona wären das Maßnahmen wie in China, also eine absolut konsequente Unterbindung von sozialen Kontakten bei gleichzeitiger flächendeckender Testung der Bevölkerung.
Dadurch könnten innerhalb von wenigen Wochen die Infektionsketten unterbrochen werden, wie es uns China (bei aller Vorsicht bei den gemeldeten Zahlen) vorgemacht hat. Es würden viele Tote verhindert, aber es bliebe das Problem, dass die Bevölkerung danach immer noch keine sogenannte Herden-Immunität besäße und wir sehr vorsichtig sein müssten, dass nicht von außen neue Infektionen eingeschleppt werden, bis endlich der Impfstoff da ist.
Alternativ kann man den europäischen Weg in einer seiner Variationen gehen und versuchen durch Kontaktreduzierung die Infektionskurve abzuflachen und damit einen handhabbaren Anstieg der schweren Fälle zu erreichen. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass am Ende fast die komplette Bevölkerung immun sein dürfte. Der Preis den man zahlen muss, ist aber der, dass egal wie niedrig die Todesrate ist, es zu vielen tausend Toten kommen muss, da man nur „unnötige“ Todesfälle durch Systemüberlastung vermeiden kann und dazu die Zahl der Neuinfektionen in einem akzeptablen Bereich gehalten werden muss, woran Italien bereits gescheitert ist - und Großbritannien und die USA sind auf einem gefährlichen Weg.
Daneben ist es schwer dies zu steuern, denn die Ergebnisse der Maßnahmen zeichnen sich erst 7-14 Tage später ab. Macht man zu viel dämmt man ein und hat dann das Ergebnis wie in China, die Epidemie ist gestoppt, aber nicht alle sind immun, es kann also jederzeit wie in losgehen oder man macht zu wenig, dann schnellen die Zahlen der Neuinfizierten zu hoch und überlasten die Systeme.

Diese Daten kann man für Deutschland recht verlässlich berechnen:
Wir werden durch alle getroffenen Maßnahmen ca. 14.000 Intensivbetten mit Beatmungsgeräten bereitstellen können. Ein Schwererkrankter muss im Schnitt eine Woche beatmet werden. Da man annimmt, dass es bei ca. 5% der Infizierten zu schweren Komplikationen kommt, lässt sich leicht ausrechnen, dass wir in Deutschland an die Kapazitätsgrenzen stoßen, wenn es mehr als 40.000 Neuinfizierte pro Tag gibt. Denn davon würden 2.000 intensivbehandlungspflichtig und genau diese 2.000 Intensivbetten würden bei einer geschätzten Durchschnittsdauer pro Behandlung von 7 Tagen pro Tag frei – hoffentlich frei, weil man Menschen gerettet hat.
Aktuell kann dummerweise niemand verlässliche Aussagen über die Zahl der Infizierten in Deutschland machen. Alle vorliegenden Zahlen haben wahrscheinlich riesige Dunkelziffern. Aber gehen wir man von den bestätigen Neuinfizierten pro Tag und der pessimistischen Dunkelziffer von 1 zu 10 aus. Dann würde das bedeuten, dass es nicht die bestätigten 3.000 Neuinfizierten (Durchschnitt der letzten 4 Tage), sondern maximal 30.000 sind. Das wäre noch im leistbaren Bereich. Sollten sich die aktuellen Zuwachsraten bestätigen, dann beginnt sich die Kurve schon abzuflachen und ein weiteres deutliches Abflachen ist mit der Wirksamkeit der Maßnahmen in einigen Tagen zu rechnen.

Zurück zum Abenteuersport. Als Übungsleiter bei allen Aktivitäten unseres Vereins habe ich es immer so gehalten, dass ich in riskanten Situationen versucht habe, eine Balance zwischen Angst im Sinne von Respekt, die vor übermütigem Handeln schützt und Mut im Sinne von Antrieb zu entschlossenem Handeln, der vor Angststarre, Panik und Verkrampfung schützt, zu finden,.
Dabei habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, den Schützlingen das Gefühl zu geben durch eigenes Handeln Einfluss nehmen zu können, sei es auch im Notfall nur durch Zurufen einer wenig differenzierten Handlungsanweisung wie: „Paddel, paddel, paddel!“.
Der Zweck wird erfüllt, das Kanu behält ausreichend Tempo, jeder Paddelschlag stabilisiert und eine Kenterung wird vermieden. Unten im Kehrwasser angekommen, hat der Paddler das berechtigte Gefühl es aus eigener Kraft geschafft zu haben.
In der aktuellen Krise könnte eine solche Anweisung ein „Abstand, Abstand, Abstand!“ sein. Mehr kann ein medizinischer Laie vielleicht nicht tun, aber damit tut er für sich und alle andere unglaublich viel.

Kommen wir nochmals zu den Stimmen der Verharmloser zurück, zu denen ich mich auch eine Zeit lang gezählt habe. Zu den Zahlen, die aktuell schon nahelegen, dass es schlimmer ist, als in starken Grippejahren, kommen zwei wesentliche Unterschiede:
1. Das Virus ist neu, kein Mensch besaß vorher ein darauf trainiertes Immunsystem. Das macht die Folgen aktuell so schlimm. In ein paar Jahren wird uns das SARS-CoV-2 wahrscheinlich nur noch genau so viel Ärger bereiten, wie die anderen bereits bekannten Coronaviren, von denen es einige gibt und die fast immer nur kleine Infekte auslösen. Ein Impfen wird dann vielleicht so wenig nötig sein, wie heute ein Impfen gegen den Schnupfen.
Aber historisch ist es so, dass den von Europäern eingeschleppten und für Europäer völlig harmlosen Viren ganze Bevölkerungsteile der amerikanischen Ureinwohner zum Opfer gefallen sind, die vorher noch keinen Kontakt zu diesen Viren hatten.
2. Das Virus löst bei einem größeren Anteil von Menschen (meist Alte und Vorerkrankte) eine problematische Gesundheitssituation aus, die oft nur durch intensivmedizinische Behandlungen geheilt werden kann, was zum Stresstest aller Gesundheitssysteme in allen stark betroffenen Ländern geführt hat oder führen wird.
Höchst wahrscheinlich sind in Italien auch durch Epidemien von bekannten Grippeviren (zu) viele Menschen gestorben, aber die aktuellen Zahlen (und Bilder) sprechen eine deutliche Sprache.

Zurück ins Kanu: Ja, die zu meisternde Stromschnelle wird ein Kracher, aber Paddel fest in die Hand und dann mutig los – wir schaffen das!
Weil ich mich selbst im Wildwasser ungern auf ein reines „Paddel, paddel, paddel!“ verlasse, habe ich mir mit der Zeit immer mehr Wissen und technischen Vermögen angeeignet. Ich mag es in Outdoor-Situationen genauso wie in der aktuellen Situation, das Gefühl zu haben, selbst agieren zu können und nicht nur getrieben zu werden.
Dazu bedarf es aber beim Paddeln oder Klettern einem Mindestmaß an körperlicher Fitness, das Wissen um und Beherrschen von benötigten Techniken und Taktiken.

Übersetzt ins Coronageschehen heißt das, wir müssen Konsequenzen aus dem vorhandenen Wissen ziehen.
Denn es lässt sich schon jetzt eine klare Lehre aus den Berichten der Ärzte und den vorliegenden Daten ziehen: Bedroht sind hauptsächlich Menschen mit Problemen mit der Immunabwehr. Ein gutes Immunsystem bietet zusätzlichen Schutz. Bitte nicht falsch verstehen, damit keine neuen Fake-News in die Welt gesetzt werden. Auch das beste Immunsystem verhindert keine Infektion und verhindert auch nicht, dass Viren weitergegeben werden, aber es kann beim Einzelnen verhindern. dass aus einer Infektion ein schwerer Verlauf wird.
Deshalb habe ich beschlossen, dass ich das in den Medien viel beschworene Risiko eingehe „teuren Urin zu produzieren“. Ich versuche schon seit Wochen meinen Vitamin-D-Spiegel anzuheben (die Sonne wird uns allen helfen, wenn wir unsere verbliebenen Ausgangsmöglichkeiten und das gute Wetter nutzen) und meine tägliche Dosis an Vitamin C zu erhöhen. Daneben gibt es noch viele andere Stoffe, die nachweislich anti-virale Wirkung haben und oft lecker schmecken, wie etwas ein Smoothie aus Obst und frischem Ingwer, mit einem Teelöffel Kurkuma, einer Prise Pfeffer (das erhöht die Verfügbarkeit und Wirkung des Curcumin), einer kräftigen Prise Ceylon-Zimt und gerne auch etwas Vitamin-C-Pulver. In vielen Gewürzen und Kräutern stecken ungeahnte Kräfte. Daneben ist es dringend angeraten, die Versorgung mit frischen Lebensmitteln zu erhöhen oder hoch zu halten.
Prof. Dr. Spitz hat das heute sehr gut zusammengefasst. (Hier könnt ihr das nachlesen.)

Und zum Schluss ein letztes Mal ins Kajak.
Ich bin zwar berufsbedingt oft der Führer von Kanugruppen, bin aber in den vielen Kanujahren auch schon oft genug erfahrenen Kanuten hinterher gepaddelt. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass es zum einen viel besser klappt, viel sicherer ist und viel mehr Spaß macht, wenn man sich als gutes Team auf dem Gewässer bewegt, aber auch dann, wenn man eine/n Vorfahrer*in hat auf den/die man sich verlassen kann.
In der aktuellen Situation habe ich den Eindruck, dass wir Deutschen im großen Ganzen ein gutes Team sind und unsere Regierenden uns gut leiten. Auch wenn es mal Unterschiede zwischen Bund und Ländern gibt, kann man doch sagen, dass die Groko jetzt in der Krise das macht, was man erwarten darf: Handeln und nicht streiten. Und dass die Landesmütter und -väter sich bemühen für ihre Bundesländer das Optimum zu tun, aber auch daran denken, dass Deutschland gemeinsame Regeln haben muss. Der europäische Gedanken ist etwas in den Hintergrund getreten, aber die aktuellen Hilfsangebote des Saarlandes und Baden-Würtembergs an die Region Grand Est in Frankreich und Materiallieferungen an Italien machen mich optimistisch, dass „Gemeinsam sind wir stärker“ auch hier die Oberhand gewinnt.
Unsere Regelungen sind freiheitlicher als in China und ich bin froh, dass sie so getroffen wurden, denn sie mindern viele andere Gefahren, die zu befürchten wären, wenn man uns alle jetzt in den Wohnungen einsperrte. Aber es verlangt nun einiges an Selbstdisziplin von uns, uns dieser Freiheiten als würdig zu erweisen und die Krise gemeinsam zu meistern.
Mein guter, alter Deutschlehrer pflegte immer zu sagen: „Pünktlichkeit ist Höflichkeit, meine Damen und Herren!“. Aktuell würde er bestimmt sagen: „Abstandhalten ist Höflichkeit!“. So pervers das erscheinen mag, seine Zuneigung zu anderen Menschen zeigt man aktuell mit Abstand halten und nicht mit einem Händedruck oder einer Umarmung.
Und ganz neue wissenschaftliche Studien haben zeigen können, dass ein Lächeln ohne Wertverlust Distanzen von mehreren Metern problemlos überwinden kann, sich sogar per Mail und Brief übertragen lässt – wirklich :-).

In diesem Sinne, bleibt gesund und vor allem munter – ein Lachen hie und da kann nicht schaden (und soll ja auch das Immunsystem stärken).

Herzliche Grüße
Bernd

 

 

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